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Stadt/Region Olten

Robbie Williams, Rihanna und Running Gags

Von Urs Amacher

Olten Der A-cappella-Chor «Mixed-up» bot bei seinem Konzert ein vielfältiges Programm — für die Ohren und für die Augen

Robbie Williams, Rihanna und Running Gags

Der Chor «Mixed-up trat in der Schützi auf. Die rund vierzig Sänger banden mehrere Holzkisten in den Auftritt ein. Markus Müller

Der Bühnenauftritt des «Mixed-up»-Chors ist immer mehr als vielstimmiger Gesang. Die Vokalistentruppe unter der Leitung von Gitte Deubelbeiss bereichert ihr Konzert mit selbstkreierten Showelementen. Dem diesjährigen Motto «Chatbox» folgend, baute der Chor ganze Stapel von Holzkisten und Kartonschachteln in die Choreografie mit ein. Zusammen mit den Vokalisten brachten die kantigen Requisiten viel Bewegung und Dynamik ins Spiel. Die Sängerinnen und Sänger konnten diese Boxen immer wieder neu gruppieren, sich auf sie stellen und setzen. So diente beim Robbie-Williams-Song «Angel» die Kiste als Sockel, auf der sich das Chormitglied Emilie Boillat als Spieldosenfigur mechanisch drehte. Je nach Lied baute das Vokalensemble zusätzliche Showelemente ein: Bei Rihannas «Umbrella» etwa Regenschirme und eine farbige Lichtshow, dies brachte zusätzliche Effekte.

Roter Faden durch das Programm

Während des «Chatbox»-Konzerts in der Oltner Schützi besann sich «Mixed-up» auf seine Wurzeln, den A-cappella-Gesang. Beim Chorsingen mit Begleitung — und sei es nur ein Keyboard oder eine Rhythm-Section — droht immer die Gefahr, dass selbst ein vierzigköpfiges Vokalensemble gegen die verstärkten Instrumente einen schweren Stand hat. «Mixed-up» verzichtete auf musikalische Unterstützung, was dem Chor erlaubt, seine Stärken erst recht zu zeigen. Seine Songs sind vielstimmig, oft in jazzigen Harmonien und verschobenen Liedzeilen arrangiert. Chorleiterin Deubelbeiss überträgt den Sängerinnen und Sängern viel Verantwortung und schafft einen zwischen allen Registern ausgewogenen kompakten Klang. Da zollt man der Leistung nicht nur höchsten Respekt, sondern freut sich, dass die Akteure auf der Bühne selber Spass haben. Man geniesst ein wunderschönes Chorkonzert in vollen Zügen.

Das Konzertprogramm schlägt einen grossen Bogen von brasilianischen Rhythmen wie «Barry Manilows Copacabana» zu Wohlfühlliedern wie «Ding-A-Dong». Als roter Faden und Running Gag wurde das Thema von Mancinis Filmsoundtrack «Peter Gunn» immer wieder aufgenommen.

Teilweise hat Deubelbeiss die Stücke selber für den Chor arrangiert — etwa «Let It Be» von den Beatles oder «So isch’s Läbe» als Adaption von Amy Macdonalds «This is Life». Wo sich die Gelegenheit ergab, betätigten sich einzelne Chormitglieder als Instrumentalisten. Sie bearbeiteten die Kisten als Cajun und beispielsweise Steffi Zuk spielte auf der Querflöte ein kurzes Supertamp-Solo. Weitere Songs sind bereits im Original vielstimmig arrangiert, wie etwa «Umbrella» von den Beach Boys, bei dem der Soundtüftler Brian Wilson einen voluminösen Klang produzierte.

Andere Songs scheinen für den Chorgesang wenig geeignet: Den Millionenhit «Angel» hat man als von Robbie Williams mit einer gefühlvollen, brüchigen Stimme gesungene Ballade im Ohr. Diese Verletzlichkeit mit einem Chor zu singen, kann fast nur misslingen. Deubelbeiss jedoch schaffte es mit dem «Mixed-up»-Chor, den Song in ein dichtes Klangbild umzugestalten, sodass das Publikum im Saal die berühmte Melodie erkannte, mit Genuss aber ein neues Gesangskunstwerk zu hören bekam. Und dies so gesagt, gilt für den ganzen Abend: Voll gelungen!