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Limmattal

Die Skepsis am neuen Standortförderer bleibt

Von Sibylle Egloff

Dietikon Der Stadtrat kann Peter Metzinger (FDP) nicht überzeugen

Die Skepsis am neuen Standortförderer bleibt

Mit guten Leistungen will die Limmatstadt AG ihre Kritiker überzeugen. Eines ihrer bekanntesten Projekte ist das 3D-Modell des Limmattals (im Bild).Archiv/Severin Bigler

Ende Jahr sollen der Verein Standortförderung Limmattal aufgelöst und dessen Aufgaben von der privaten Standortförderungsorganisation Limmatstadt AG übernommen werden. Weil der Dietiker Gemeinderat Peter Metzinger (FDP) Vorbehalte bezüglich der Unbefangenheit der privaten Organisation hat, reichten er und acht Gemeinderatskollegen (aus FDP, GLP, SP/AL) im Juni eine Interpellation beim Stadtrat ein. Mit den Antworten, die dieser nun liefert, ist Metzinger nicht zufrieden. «Meine Bedenken wurden nicht zerstreut. Die Antworten sind formell gehalten und aus juristischer Sicht formuliert. Die Grundproblematik wird nicht angegangen», sagt der Gemeinderat. Für ihn ist nach wie vor klar: Die 2014 auf Initiative des Bau- und Immobilienunternehmens Halter gegründete Limmatstadt AG sei alles andere als neutral.

Metzinger vermutet ein Kalkül dahinter. «Die Gründung der Organisation ist ein Marketingvehikel der Firma Halter, um Aufträge zu generieren und Überbauungen zu realisieren.» Als Beispiel nennt er das Dietiker Quartier Limmatfeld. «Dort hat das Unternehmen viel versprochen, vieles davon nicht gehalten und die neuen Besitzer und Mieter mit den Problemen alleine gelassen», sagt Metzinger. Er ist Präsident des Quartiervereins Limmatfeld. Das Quartier wurde von der Halter AG entwickelt und vermarktet.

Der Stadtrat beschwichtigt: «Das Unternehmen gehört über 80 Aktionären. Die Halter AG ist gegenwärtig mit rund 30 Prozent beteiligt und strebt eine Reduktion durch den Verkauf von Aktien an Dritte auf maximal 10 Prozent an.» Für Metzinger zu wenig überzeugend: «Das ist schön und gut, aber wie sieht es praktisch aus?» Wenn Balz Halter weiterhin Verwaltungsratspräsident der Organisation bleibe, ändere diese Reduktion wenig. Metzinger mahnt: «Man muss unterscheiden zwischen den Formalitäten und der Wirklichkeit und darf sich nicht blenden lassen.»

Auf Metzingers Frage, wie sichergestellt werde, dass die Limmatstadt AG die Interessen der Gemeinden über die eigenen Prioritäten stelle, gibt der Stadtrat zur Antwort: «Die Mitsprache der Städte und Gemeinden ist in mehrfacher Hinsicht gegeben.» Zusätzlich zu einem Jahresgespräch und dem Geschäftsbericht sowie der ordentlichen Rechenschaftsablage im Rahmen der jährlichen Generalversammlung nehme eine Delegation der Auftragsgemeinden Einsitz im Fachbeirat sowie im Roundtable Standortförderung der Limmatstadt AG, schreibt der Stadtrat. Zudem sei das Aktionariat breit abgestützt. Dadurch und mit der transparenten Informationspolitik biete die Limmatstadt AG Gewähr, dass sie die Interessen der Gesamtregion und nicht jene Einzelner vertrete.

Enttäuscht ist Metzinger, dass der Stadtrat keine Ausschreibung plant, um andere Standortförderer zu prüfen. «Das heisst, dass der Limmatstadt AG eine Monopolstellung im Limmattal eingeräumt wird.» Das ist dem Liberalen ein Dorn im Auge. «Es braucht Wettbewerb. Es geht doch darum, den bestmöglichen Standortförderer zu haben und nicht den, der die besten Beziehungen aufweist», sagt Metzinger. Das Limmattal sei schliesslich eine der wachstumsstärksten Regionen des Kantons. «Was hier passiert, ist richtungsweisend für die Zukunft.» Deshalb sei die Wahl eines Standortförderers sorgfältig zu fällen.

Kritisch beobachten

Für Metzinger ist die Angelegenheit mit der Antwort des Stadtrats nicht erledigt. Er will die Entwicklungen rund um die Limmatstadt AG kritisch beobachten und sich mit seinen Fraktionskollegen austauschen. «Wir werden schauen, was für weitere Möglichkeiten wir haben.»

Jasmina Ritz, Geschäftsleiterin der Limmatstadt AG, findet es gut, dass kritische Fragen gestellt werden. Sie könne Metzinger aber beruhigen, was die Dominanz der Firma Halter angehe. «Es gibt keine Mehrheitsbeteiligung. Die Anzahl Aktionäre hat sich unterdessen bereits erhöht und liegt bei über 90 Aktionären, entsprechend hat sich auch der Anteil der Halter AG reduziert.» Kritiker wie den FDP-Politiker wolle man mit guten Leistungen überzeugen, sagt Ritz. Für konstruktive Vorschläge habe sie stets ein offenes Ohr.