Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Auf ein Wort

Chogeguet, cheibeschöön

Von Niklaus Bigler arbeitete beim Idiotikon und schreibt über Mundartausdrücke.

Die Tafel beim Marktstand preist Bündner Spezialitäten an: uukhooga guat. Eigentlich ist Chog ein verendetes Tier, aber bei der Verwendung als Verstärkungswort bleibt dieser Zusammenhang im Hintergrund, sonst finden sich keine Käufer für Salsiz und Trockenfleisch. Nicht minder anrüchig ist cheibe-, denn auch Cheib bedeutet ‹Aas›. Es zeigt sich immer wieder, dass ursprünglich negativ belastete Wörter gerne zur Verstärkung herangezogen werden, denn was tabu ist, fällt auf. Die heute relativ braven schampar (aus schandbar) und uverschamt bezeichneten ursprünglich moralische Anstössigkeit. Und das hochdeutsche sehr bedeutete einst ‹verwundet, leidend›.

Pionierarbeit im Aufbringen von Verstärkungswörtern leisten die Jugendlichen: Immer neue «sackstarke» Ausdrücke sollen auffallen, anecken und zudem ein Gruppengefühl schaffen. Konnte man früher etwas noch als tuusignätt rühmen, so braucht man heute den Faktor 10 hoch 6, also mega, oder gar giga, tera. Die Alten können mit solchen Neuerungen nicht Schritt halten, und auch die Sprachwissenschaft ist beim Aufzeichnen immer hoffnungslos im Rückstand. Immerhin hat das Schweizerdeutsche Wörterbuch schon um 1885 die Bildungen huereschöön und es Huere Glück verzeichnet, und zwar für die Stadt Luzern! Es gibt nämlich auch eine Geographie in den Trends der starken Ausdrücke: In meiner Jugend waren eher die Bündner für ihr huere- bekannt, die Luzerner aber für ihr rüüdig (eigentlich ‹von Krätzmilben befallen›). Und im Aargau, im Freiamt, kam es vor, dass einer von einer Beerdigung heim kam und sagte, es sei verreckt
schöön gsii.