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Inland

Angriff auf Löhne der Kassenchefs

Von Henry Habegger
Angriff auf Löhne der Kassenchefs

Daniel Schmutz, CEO Helsana.

Von solchen Lohnerhöhungen können Normalsterbliche nur träumen. Die durchschnittlichen Entschädigungen der Chefs und Chefinnen der zehn grössten Schweizer Krankenkassen sind in den letzten fünf Jahren um über einen Fünftel gestiegen. Um knapp 22 Prozent legte der Lohn des durchschnittlichen Krankenkassenchefs zwischen 2014 und 2018 zu.

Das ergab eine Auswertung der SP Schweiz, die die Cheflöhne bei den Krankenkassen seit Jahren kritisiert.

22 Prozent mehr Lohn
in fünf Jahren

Die Analyse, die CH Media vorliegt, zeigt zudem: Auch die Prämien stiegen in diesen fünf Jahren um 22 Prozent.

Nur: Andere wichtige Indikatoren stiegen nicht im gleichen Ausmass. Die Reallöhne, also die Gehälter der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler, stiegen in der gleichen Zeit nur um 6 Prozent, die Gesundheitskosten um 14 Prozent.

Im Einzelfall entwickelten sich die Löhne in den letzten fünf Jahren allerdings unterschiedlich. Über teilweise hohe zweistellige Zuwachsraten konnten sich die Chefs der Helsana, der Swica, der Visana und der Concordia freuen. Bei der Assura stieg der Cheflohn sogar um 68,5 Prozent auf 758000 Franken – Vorsorgebeiträge und Spesen noch nicht gerechnet (siehe Tabelle).

Die Top 3 der Kassenchefs kommen alle auf über 750000 Franken: Daniel Schmutz von der Helsana, Philomena Colatrella von der CSS, Ruedi Bodenmann von der Assura.

Bei anderen Kassen stiegen die Chef-Löhne nur marginal. Oder sie sanken sogar leicht. Aber armengenössig wird keiner der Kassenbosse. Der am schlechtesten gehaltene der zehn Kassenchefs, der mittlerweile abgetretene Generaldirektor der Groupe Mutuel, verdiente immer noch 462000 Franken und damit etwa so viel wie ein Bundesrat, der derzeit auf 451000 Franken kommt.

Diese Entwicklung wird ein politisches Nachspiel haben. Barbara Gysi (SG), Gesundheitspolitikerin der SP, spricht von einem «Hohn und einem Affront gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die jeden Monat Mühe haben, die immer höheren Prämien zu bezahlen» und deren Reallöhne stagnierten oder rückläufig seien. «Während die Leute also immer weniger Geld im Sack haben, schanzen die Kassen ihren Chefs immer höhere Löhne zu. Das ist unerträglich und muss gestoppt werden», sagt die Nationalrätin.

Die SP werde in der Herbstsession daher in einer Motion fordern, «dass die Kassenchefs nicht mehr verdienen dürfen als ein Bundesrat». Für Barbara Gysi steht fest: «Diese arrogante Selbstbedienungsmentalität auf dem Buckel von Steuer- und Prämienzahlenden muss ein Ende haben. Wir müssen nicht nur den Prämienanstieg stoppen, sondern auch die Kassenchefs.»

CVP-Chef Pfister: «Solche Löhne sind zu hoch»

Die SP versuchte schon mehrmals, die Löhne der Kassenchefs zu deckeln – bisher erfolglos. Aber der Unmut über die Entwicklung wächst – beispielsweise in der CVP. «Aus Sicht der obligatorischen Krankenversicherung sind solche Löhne zu hoch», sagt der Zuger Nationalrat und Präsident der CVP-Schweiz, Gerhard Pfister. «Um die steigenden Kosten im Gesundheitswesen langfristig zu bremsen, müssen alle Akteure, auch die Kassen, ihren Teil dazu beitragen. Dies verlangt die CVP mit der Kostenbremsen-Initiative», hält der Chef der Christlichdemokraten fest.

Die CVP will mit ihrer Gesundheits-Initiative, für die sie derzeit Unterschriften sammelt und die sie bald einreichen will, die Prämienexplosion stoppen.