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Zürich

Hier wird intensiv gebaut

Von Thomas Marth

Bau Das Tempo auf der Baustelle des Zürcher Polizei- und Justizzentrums (PJZ) ist hoch – so langsam nimmt das Gebäude Gestalt an. 60 Prozent des Rohbaus sind nun erstellt

Hier wird intensiv gebaut

Alles läuft nach Plan, war gestern auf einem Medienrundgang zu erfahren. Keystone

Die Details interessieren genauso wie das grosse Ganze. Die Gefängniszellen im PJZ werden fugenfrei gebaut. So können die Häftlinge nichts verstecken, um sich oder andere zu verletzen, erklärt Ralph Grund, Gesamtprojektleiter des Generalunternehmers HRS. Aus demselben Grund werden die Siphons zurückversetzt angebracht. Die Nasszellen sind «cocon-artig», so Grund, und die Türrahmen werden fest im Beton verankert sein – es hatte einmal den Ausbruch eines Häftlings gegeben, der es schaffte, den Rahmen seiner Zellentür in nächtlicher Kleinarbeit freizukratzen.

Von Hansruedi Blöchlinger, PJZ-Projektdelegierter des Regierungsrates, ist zu erfahren, warum die lange Vorgeschichte des bisher grössten Bauprojektes des Kantons Zürich auch ihr Gutes hat. Erst mit der Eröffnung der Durchmesserlinie ab 2014 wurde es möglich, den Transport von und zur Baustelle mit der Bahn zu bewerkstelligen – was ja im wahren Wortsinn naheliegend erscheint auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs gleich beim Gleisfeld des HB Zürich. Früher hätte man es wohl trotzdem per Lastwagen gemacht, sagt Blöchlinger.

Rund 37000 Kubikmeter Aushub wurden auf dem Gelände belassen. Auf einem grossen Haufen wird das Material zwischengelagert, um später Teile des Geländes damit aufzufüllen. Denn der Bahnhof lag tiefer als die angrenzende Hohlstrasse. Und so befinden sich das erste und teils das zweite PJZ-Untergeschoss momentan noch über dem Boden.

Die Bauverantwortlichen führten gestern die Medien durch die Baustelle. Alles läuft nach Plan, können sie berichten. 60 Prozent des Rohbaus sind erstellt. Bis zum ersten Stockwerk steht das Mauerwerk, teils bereits bis zum vierten Stockwerk. Der fertige Bau wird sechs Etagen umfassen.

Steinplatten aus dem Wallis

Momentan sind 250 Personen auf der Baustelle beschäftigt, in erster Linie Bauarbeiter, Monteure und Installateure. Ab nächstem Jahr, wenn der Rohbau fertiggestellt ist, sollen es bis 1000 sein. 2020 soll die Gebäudehülle dicht sein, das heisst mit Fenstern und Türen versehen.

An einer Ecke wurde der Bau testweise bereits verkleidet. Zum Einsatz kommt ein Schweizer Stein, wie Architekt Stefan Adler von der Theo Hotz AG ausführt: ein graugrüner Vert de Salvan aus dem Wallis. Er stammt aus einer Schicht, in der sich verschiedenste Steine abgelagert haben, was sich als Muster auf den Fassadenplatten zeigt. Das verleihe ihnen etwas Lebendiges, sagt Adler. Womit sich auch der Eindruck etwas abmildere, der durch die verhältnismässig kleinen Fenster entstehe.

Dass sie so klein sind, ist der Sicherheit geschuldet. Mit dem Bedürfnis nach Sicherheit sind auch die zerschlagenen Fensterscheiben an einer Wand neben dem Rohbau zu erklären. Hier wurde von der Polizei getestet, was das Glas aushält, sagt Blöchlinger. Auch die Fassadenelemente mit den Gefängnisfenstern sind dort zur Begutachtung angebracht. Ausgetestet wird auch die Verträglichkeit von Versiegelungen gegen Sprayereien mit den verwendeten Materialien.

Prime Tower in der Pfütze

Der Rundgang bietet zuweilen unerwartet stimmungsvolle Eindrücke. Durch einen Wald von Stützstangen spiegelt sich die Spitze des Prime Towers in einer Wasserlache auf dem Betonboden. In die riesige fensterlose Halle, die dereinst die Asservate aufnehmen wird, fallen durch einen Deckendurchlass gebündelte Sonnenstrahlen ein, als befände man sich in einem Filmdekor. Asservate sind als Beweismittel oder zur Gefahrenabwehr eingezogene Gegenstände. Sie lagern heute auf mehrere Standorte im Kanton verteilt und kommen alle ins PJZ.

Rund 1800 Arbeitsplätze von aktuell über 30 Standorten werden im PJZ zusammengezogen. Hinzu kommen die Polizeischule und rund 300 Gefängnisplätze (Polizei- und Untersuchungsgefängnis). Wenn Blöchlinger die Räume durchschreitet, sieht er schon ziemlich genau, was wo stattfinden wird. Es seien intensive Absprachen mit und unter den künftigen Nutzern im Gang, erklärt er. Teils ist das auch deshalb fordernd für die Beteiligten, weil es Bereiche gibt, die abteilungsübergreifend genutzt werden sollen. Dies gilt etwa für die Einvernahmezone, die sich Staatsanwälte und Polizei teilen.

Was Büros angeht, gilt die Devise: möglichst wenig Einzelzimmer, möglichst viel gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur. Ist man damit fertig, wird man auch wissen, wie viele Türen und Wände zu bestellen sind. Die Nutzung zu planen, sei nicht weniger anspruchsvoll als der Bau an sich, sagt Blöchlinger.