Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

AZ Sommer

«Ältere Menschen sind die besten Experten für Alterspolitik»

«Ältere Menschen sind die besten Experten für Alterspolitik»

Esther Egger ist Präsidentin des aargauischen Seniorenverbandes (ASV). Das Präsidium ist eines von vielen ehrenamtlichen Engagements der ehemaligen CVP-Nationalrätin. Der ASV ist bisher mit seinen gut 4000 Mitgliedern ein eher kleiner Verband, verfügt auch über entsprechend wenig finanzielle Mittel, wird vom Kanton finanziell nicht unterstützt. Dabei hat der Verband eine wichtige Funktion: Er setzt sich ein für eine partizipative Umsetzung der Alterspolitik auf kommunaler und kantonaler Ebene. «Wir fordern, dass Alterspolitik mit und nicht bloss für Seniorinnen und Senioren gemacht wird», sagt Esther Egger. Denn: «Ältere Menschen sind die besten Experten für Alterspolitik».

Zentraler Begriff ist die Partizipation. «Aktive Seniorinnen und Senioren verfügen über grosse Ressourcen und ein riesiges Potenzial», sagt Egger. «Und viele sind gerne bereit, ihr Wissen und Können der Gesellschaft unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.» Von diesem freiwilligen Engagement profitierten sowohl Senioren als auch die Gesellschaft: Die Senioren nehmen weiterhin als wichtige und anerkannte Mitglieder am sozialen Leben teil. Sie erbringen Leistungen, die ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht möglich wären. Damit die Seniorinnen und Senioren aber die für sie passenden sinngebenden Tätigkeiten auch finden und ausführen können, braucht es vielfältige, individuelle Angebote und entsprechende von der Gemeindepolitik mitgetragene Strukturen.

Sympathie für die Anti-Diskriminierungs-Initiative

«Im Durchschnitt erwarten uns heute nach der Pensionierung 20 bis 25 weitgehend gute Jahre», sagt Egger. Es gelte, möglichst alles zu tun, damit Frauen und Männer in ihren angestammten Wohnungen einen guten Lebensstandard ohne Vereinsamung und Diskriminierung bis ins hohe Alter leben könnten.

Damit dies gelingen kann, setzt der ASV auf Partizipation. Er hat dazu ein Positionspapier für Gemeinden ausgearbeitet. Darin wird erklärt, wie die Senioren die lokale Alterspolitik mitbestimmen können oder wie wichtig Informationen über altersfreundliche Angebote in der Gemeinde sind. Und ein separates Merkblatt befasst sich mit der Notwendigkeit von Alterskommissionen, in denen auch Seniorinnen und Senioren vertreten sind. Gemeinden oder Institutionen, die sich mit Partizipation befassen oder eine Alterskommission gründen möchten, können sich vom ASV beraten lassen. Unentgeltlich.

Dazu beschäftigt sich der ASV mit alterspolitischen Themen auf kantonaler und nationaler Ebene und gibt Stellungnahmen ab, mischt sich als Dachorganisation in die Diskussion ein, informiert die Mitglieder. «Ja, wir machen im Rahmen unserer beschränkten Möglichkeiten auch Lobbyarbeit», sagt Esther Egger. Da geht es dann um Themen wie Rentenalter, Rentenkürzungen. Pflegefinanzierung oder das neue Aargauer Spitalgesetz. Oder um Altersdiskriminierung. Erst kürzlich habe ihr ein Senior erzählt, wie schwierig es für ihn gewesen sei, eine neue Autoversicherung zu kriegen; nur aufgrund seines Alters sei er mehrmals abgelehnt worden.

Der Schweizerische Seniorenverband lanciert eine Initiative gegen Diskriminierung aufgrund des Lebensalters. Der ASV werde diese Initiative voraussichtlich unterstützen, erklärt Esther Egger.

Mehr Mitglieder bringen
noch mehr Gewicht

Und was hält die ASV-Präsidentin von Seniorenlisten für die Nationalratswahlen? Esther Egger antwortet diplomatisch: «Wer im Nationalrat sitzt, sollte möglichst alle vertreten und nicht nur seine Altersgruppe. Zudem: Nicht nur Senioren können sich für Senioren einsetzen.»

Damit der ASV eine unverzichtbare Instanz in der Aargauer Alterspolitik wird, müsse er wachsen, sagt Präsidentin Egger. Einerseits versuche man zu erreichen, dass der ASV vonseiten der Politik noch besser wahrgenommen werde. Und mindestens so wichtig sei, dass die Seniorinnen und Senioren im Kanton wissen, dass es den ASV gibt und er sich parteiunabhängig für alterspolitische Anliegen einsetzt. «Wenn wir, hoffentlich schon bald, 10000 Mitglieder haben und nicht bloss 4000, dann haben wir ein ganz anderes politisches Gewicht», sagt Esther Egger.

Jörg Meier