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Umwandlung in europäische FlugLizenzen

Hunderte Segelflugpiloten fürchten Grounding

Von Antonio Fumagalli

Der Bund kennt kein Pardon, wenn Piloten eine Funkprüfung nicht nachholen wollen. Die Branche ist empört – weil sie das fehlende Papier gar nicht für nötig erachtet.

Hunderte Segelflugpiloten fürchten Grounding

Segelflugpiloten sind alarmiert. Fotolia

Am Anfang dieser ungewöhnlichen Geschichte steht die Gründung der «European Aviation Safety Agency» (EASA) im Jahre 2002. Sie hat zum Ziel, die Flugsicherheit in Europa auf einem einheitlichen, hohen Niveau aufrechtzuerhalten. Im Rahmen der Bilateralen II stösst die Schweiz vier Jahre später als Mitglied hinzu.

Seither passt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) das Schweizer Luftrecht in verschiedener Hinsicht an die EASA-Regeln an – etwa beim Flugzeugbau, beim Unterhalt, bei der Operation oder bei der Ausbildung von Piloten. Die meisten dieser Bestimmungen sind unbestritten und von der Branche getragen. Aber nicht alle.

Jüngst ist zwischen dem Segelflugverband Schweiz und dem Bund ein Streit entfacht. Dessen Inhalt kann an einem, allerdings komplizierten Wort festgemacht werden: Radiotelefonieprüfung. Hunderte Segelflugpiloten befürchten, ab kommendem Frühling nicht mehr abheben zu können. Es wird gar der Rechtsweg bemüht. Was ist passiert?

«Besonders absurder Nachweis»

Im Zuge der Mitgliedschaft bei der europäischen Agentur müssen sämtliche nationalen Fluglizenzen, also auch solche für den Segelflug, in den internationalen EASA-Standard umgewandelt werden – was allerdings nur jene, in der Regel ältere Piloten betrifft, die nicht ohnehin direkt die «neue» Lizenz gelöst haben. Ursprünglich wäre die Frist für die Umwandlung am 8. April 2015 abgelaufen. Wie auch die EASA verlängerte das Bazl als ausstellende Behörde vor Jahren schon die Frist um drei Jahre. Das neue Stichdatum ist nun also der 8. April 2018.

Um eine EASA-Lizenz zu erhalten, müssen die Piloten verschiedene Nachweise erbringen – etwa eine fliegerärztliche Untersuchung. Im Einklang mit den europäischen Partnern verlangt das Bazl auch die erwähnte Radiotelefonieprüfung (RTP). Gemäss Bazl haben rund 1700 Segelflugpiloten die RTP, für die ein mehrtägiger Kurs mit abschliessender Prüfung notwendig ist, absolviert. Es gibt aber immer noch 340 Lizenzen ohne Radiotelefonie. Es sind diese Piloten, die nun ihr persönliches Grounding fürchten.

Die Radiotelefonieprüfung ermächtigt die Piloten, im kontrollierten Luftraum mit den Flugverkehrsleitstellen zu funken. Das sei aber gar nicht unbedingt notwendig, sagt der Segelflugverband. «Die Segelflugpiloten fliegen hauptsächlich in unkontrolliertem Luftraum – dafür braucht es keine Funkprüfung», sagt Matthias Jauslin, Aargauer FDP-Nationalrat und Zentralpräsident des Aeroclubs Schweiz, bei dem der Segelclubverband Mitglied ist. Ein Segelflieger, der etwa vom aargauischen Birrfeld ins waadtländische Yverdon-les-Bains unterwegs sei, müsse nicht zwingend mit der Flugsicherung Kontakt aufnehmen. Der Pilot fliege im unkontrollierten Luftraum nach den sogenannten Sichtflugregeln. Hinzu komme, dass einige Segelflieger – völlig legal – gar keine Funkanlage an Bord hätten, sagt Jauslin. «Für diese Piloten ist der verlangte Nachweis der Radiotelefonieprüfung besonders absurd.»

Das Bundesamt betont, es liege im Eigeninteresse der Piloten, die Radiotelefonie zu beherrschen – da sie damit «im stark strukturierten Schweizer Luftraum über mehr Flugmöglichkeiten verfügen». Sprich: Die geschulten Piloten dürfen in zusätzlichen Korridoren fliegen und auf grösseren Flugplätzen landen. Zudem helfe die Radiotelefonie «selbstredend bei der Sicherheit des Luftverkehrs», so das Bazl.

Der Aeroclub lässt das Argument der Sicherheit nicht gelten. «Wenn wir untereinander funken, tun wir dies nicht in der gleichen Frequenz wie die Flugsicherung, sondern auf der vorgesehenen Segelflugfrequenz. Also hört in der Luft nicht jeder jeden», sagt Jauslin. Bei einem Notfall nehme ein Segelflugpilot ohnehin mit einem Regionalflugplatz Kontakt auf. «Das ist wie am Telefon: Da sagt man, wie man heisst, wo man sich befindet und was die Absicht ist – dafür braucht es keine Prüfung.»

Bund lehnt Sonderlösung ab

Angesichts der näher rückenden Frist herrscht in der Branche nun Aufregung. In einer Resolution fordert die Segelflugbranche, dass das Bazl die Frist um zweieinhalb Jahre bis September 2020 verlängert. Dies entspricht dem Antrag der EASA, der derzeit auf dem Tisch der EU-Kommission liegt. Dass diese das Begehren abnickt, gilt als sicher. Die entsprechende Verordnung könnte noch dieses Jahr in Kraft treten.

Vom Bundesamt für Zivilluftfahrt gibt es Signale, dass die Schweiz – sofern der Entscheid in Brüssel wie erwartet gefällt wird – die Verlängerung ebenfalls gewähren wird. Die Umwandlungsfrist würde damit auch für die hiesigen Piloten erst im Herbst 2020 enden.

Die Zwischenzeit solle dafür genutzt werden, eine «praktikable Lösung» für das Funk-Problem zu finden, verlangt der Verband. Mit anderen Worten: Der Bund soll denjenigen Piloten, die sich – wie bis anhin – ausschliesslich im unkontrollierten Luftraum bewegen, die Umwandlung der Lizenz auch ohne Radiotelefonieprüfung genehmigen. Beim Bazl ist in diesem Zusammenhang eine Beschwerde eines Piloten hängig.

Noch ist offen, wie der Bund auf die Begehrlichkeiten der Segelflugbranche reagieren wird. Die betroffenen Piloten sollten sich aber nicht allzu viel Hoffnung machen. «Das Problem, dass eine Minderheit von Segelflugpiloten keine Radiotelefonieprüfung ablegen will, ist auch ab dem 1. September 2020 nicht gelöst», schreibt das Bundesamt – und macht gleichzeitig klar, dass ein allfälliger «Swiss-Finish» nicht infrage komme. «Das Bazl erachtet es auch im Interesse der Flugsicherheit nicht als zielführend, für eine kleine beziehungsweise kleiner werdende Gruppe von Piloten eine Sonderlösung zu bewilligen und damit eine Ungleichheit zu anderen Piloten zu schaffen.»