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kanton solothurn

Freundschaft, vielleicht fürs Leben

Von Hans Peter Schläfli

«Auf einen Kaffee mit...» Kurt Häfeli aus Lohn-Ammannsegg. Er bringt Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen

Freundschaft, vielleicht fürs Leben

Etwas für den Weltfrieden leisten, das scheint leichter gesagt als getan. Doch Jimmy Carter, der ehemalige Präsident der USA, hatte eine bestechend einfache Idee: Wer sich persönlich kennen lernt, revidiert Vorurteile, baut Feindbilder ab und kann so zum Verständnis unter den Menschen beitragen. So entstand 1977 in Atlanta die «Friendship Force». Der Verein charterte kurzerhand ein Flugzeug und reiste mitten im Kalten Krieg in die damalige Sowjetunion. 250 Amerikanerinnen und Amerikaner verbrachten eine Woche in russischen Familien. Freundschaften entstanden und die beiden damals verfeindeten Nationen rückten sich einen winzig kleinen Schritt näher.

Heute existieren weltweit rund 350 Sektionen. Kurt Häfeli aus Lohn-Ammannsegg war 2009 eines der Gründungsmitglieder des ersten und bisher einzigen Friendship Force Clubs der Schweiz. Die Solothurner Sektion hat derzeit etwa 40 Mitglieder. «Ganze Flugzeuge zu füllen, das war auf die Dauer nicht praktikabel», erklärt Häfeli die heutigen Strukturen des Vereins, während er in der Solothurner Stadtrösterei seinen Cappuccino geniesst. «Aber die Grundidee, als Fremde unter Freunden nicht in Hotels, sondern in Gastfamilien zu wohnen, hat sich bewährt.»

«Es ist ein Geben und Nehmen. Auf der einen Seite bilden wir jeweils eine Reisegruppe mit 15 bis 20 Leuten und besuchen für eine Woche eine Sektion in einem fremden Land. Auf der anderen Seite beherbergen wir in der Region Solothurn Menschen aus anderen Ländern und zeigen ihnen unser Land. Wir verstehen uns als Brücke der Freundschaft über Grenzen hinweg.»

Politisch und religiös neutral

Der 67-jährige Vereinspräsident ist pensionierter Forschungsleiter der Psychologie und versteht die Prozesse zwischenmenschlicher Beziehungen. «Feindbilder aufzubauen ist einfach, solange man die Leute nicht wirklich kennt. Aber wenn man sich kennen lernt, dann merkt man, dass diese Feindbilder so gar nicht funktionieren. Eine Woche des Zusammenlebens ist ideal, weil man sich etwas besser kennen lernen kann, ohne dass man sich bereits gegenseitig auf die Nerven geht. So entstehen manchmal Freundschaften, die ein Leben halten. Manchmal trennt man sich aber auch, ohne dass der Kontakt weitergeht. Das ist auch in Ordnung so.»

Kurt Häfeli hat miterlebt, wie solche Gruppenreisen ein Leben von Grund auf verändern können. «Meine Tochter und ihre Freundin besuchten mit der Friendship Force als 18-Jährige Japan. Sie schrieb ihre Matura-Arbeit über Japan und studierte ein Jahr in Japan. Ihre Freundin studierte Japanologie.»

Wie positioniert sich die Friendship Force politisch? «Die Organisation ist neutral», sagt Häfeli. «Aber an einer Grenze eine Mauer zu bauen, ist ganz klar falsch, das widerspricht unserer Idee. Klar, mit den US-Amerikanern ergibt das manchmal schwierige Diskussionen. Aber man muss ja gerade mit den Leuten reden, die eine andere Meinung vertreten. Sonst passiert nichts. Und bevor eine Diskussion eskaliert, lenken wir das Gespräch auf den Hund», sagt Häfeli lachend und erzählt eine Anekdote, die zeigt, dass Hunde oft ein gemeinsames Thema sein können.

Nicht billig, aber recht günstig

Ulan Bator, Brüssel, Moskau, Atlanta, Riga, Berlin – die Ziele könnten nicht unterschiedlicher sein. Ganz bewusst werde das Zusammentreffen unterschiedlicher Mentalitäten angestrebt. «Angesichts der komplizierten Situation mit Präsident Erdogan in der Türkei, der bei uns auf grosses Unverständnis stösst, haben wir deshalb eine Gruppe aus Izmir in die Schweiz eingeladen.»

Meistens habe es in den Reisegruppen etwas mehr Frauen als Männer, weil es eine gute Möglichkeit ist, als alleinstehende Person sicher in fremde Länder zu reisen, sagt Häfeli. «Unterkunft und Essen wird den Gästen von den besuchten Familien offeriert. Man zahlt eine Gebühr von 140 Dollar an die internationale Organisation und etwa 200 bis maximal 300 Dollar an den örtlichen Verein für die organisatorischen Kosten. Der Flug in die Mongolei kostete zum Beispiel etwa 1200 Franken», rechnet Häfeli vor. «Eine Woche in Ulan Bator kostete uns also rund 2000 Franken pro Person.» 2019 werden dann die Leute aus der Mongolei Solothurn besuchen. «Wir werden versuchen, für sie ein preiswertes Programm auf die Beine zu stellen.» Dass durch Flugreisen sehr viel CO2 in die Atmosphäre gelangt, dessen ist sich Häfeli bewusst. «Wir ermuntern deshalb unsere Mitglieder, als Kompensation die Berner Organisation Solafrika finanziell zu unterstützen. Sie bildet in Afrika junge Fachleute im Gebiet Solarenergie aus.»

Austauschjahr als Auslöser

«Ich absolvierte 1969 als Kantischüler ein Austauschjahr in Dayton, Ohio. Die Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute», erinnert sich der Vereinspräsident an die Anfänge. «Meine Gastmutter, die heute 95 Jahre alt ist, erzählte mir immer wieder von den Reisen, die sie mit Friendship Force unternahm. Einmal kam sie nach Berlin, wo wir sie besuchten. So lernte ich den Verein besser kennen und die Amerikaner motivierten mich, eine Solothurner Sektion zu gründen.»

Seither schmieden die Vereinsmitglieder immer wieder neue Reisepläne. Nun will die Friendship Force Club Mitte Juni für eine Woche nach Tiflis. Geplant ist, eine einwöchige Rundreise durch Georgien anzuhängen. «Wir haben noch Plätze frei für neue Leute», sagt Kurt Häfeli.