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Inland

Werbung: Swiss Made statt Facebook

Von Othmar von Matt
Werbung: Swiss Made statt Facebook

Wer sich in einem vordefinierten Rayon befindet, erhält Werbung aufs Handy gespielt. Bild: Keystone

Die Werbebotschaft ist in einer Mischung aus Züri- und Hochdeutsch gehalten. «Äxgusi, aber unser Mobile Targeting isch es bitzeli genauer», schreibt Aymo Mobile Targeting auf seiner Homepage. Es ist der mobile Angebotsbereich der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG für digitale und analoge Aussenwerbung.

Ohne sie direkt zu nennen, grenzt sich Aymo Mobile Targeting damit gezielt ab von globalen Werbegiganten wie Google, Facebook, Instagram oder Twitter. Und präsentiert sich als Schweizer Lösung im digitalen Mobile-Werbemarkt.

Eine Schweizer Lösung, die auch die Politik zu entdecken beginnt. «Ich finde es interessant, dass eine Schweizer Firma ein solches Geschäftsfeld neu aufnimmt», sagt FDP-Nationalrat Matthias Jauslin. Aus diesem Grund entschied er sich für virtuelle Werbung «bei der APG und gegen Facebook oder Twitter». Er betont: «So bleibt das Werbegeld in der Schweiz.»

Über zwei Milliarden an Google und Facebook

Google und Facebook haben in den letzten Jahren den Schweizer Werbemarkt vollständig umgepflügt. 2017 generierten die beiden Giganten Werbeeinnahmen von 1,628 Milliarden. Alleine 1,418 Milliarden gingen davon auf das Konto von Google. 2018 dürften die beiden Konzerne die 2-Milliarden-Hürde überschritten haben.

Jauslin führt seinen Nationalrats-Wahlkampf 2019 zu einem wesentlichen Teil über Aymo Mobile Targeting. Er benutzt dazu Live Target und Geo Target, zwei von insgesamt sechs Möglichkeiten, die Aymo von APG anbietet.

Mit Live Target kann der Kunde auf den Meter genau bestimmen, in welchem Raum seine mobilen Werbebotschaften in Echtzeit aufgespielt werden sollen. Die geografischen Daten sind genauer als jene der globalen Konkurrenten, weil sich Aymo Mobile Targeting nicht nur auf GPS-Daten stützt, sondern auf mehrere Datenquellen.

Jauslin hat sich für die wichtigsten Aargauer Ballungszentren entschieden: Baden, Aarau, Brugg, Lenzburg, Rheinfelden, Zofingen und das Freiamt. Wer hier auf dem Handy eine Nachrichten-App von «Blick», «20Minuten», «Watson» oder der Tamedia öffnet, erhält mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit politische Werbung von Jauslin aufgespielt.

Mit Geo Target wiederum lässt Jauslin dieselbe Botschaft im ganzen Kanton ausspielen. «Auf die Handys von Leuten, die zwischen 20 und 60 Jahre alt sind», wie er sagt. «Und die sich für News, Politik und Wirtschaft interessieren.»

APG kennt die Menschen nicht hinter den Daten

Bei Geo Target arbeitet Aymo mit Google zusammen und verwendet dessen Software für den Einkauf von Werbeplätzen. Bei der APG betont man, es sei für das Unternehmen in keiner Form möglich, Rückschlüsse auf Personendaten zu ziehen. «Die Nutzerdaten sind anonymisierte Standortdaten», sagt Nadja Mühlemann, Leiterin PR der APG. «Wir kennen die Menschen dahinter nicht.» Aymo Mobile Targeting verarbeitet pro Tag rund 3,8 Millionen Standortdaten, wie Mühlemann sagt. Sie generieren sich aus ungefähr 3,6 Millionen App-Nutzern pro Monat.

Eine Fallstudie der Zürcher Kantonalbank verdeutlicht, wie Live Target funktioniert. Die ZKB ist seit 2018 Hauptsponsorin von Züri Velo, dem stadtweiten Leihvelosystem von Publibike. Sie setzte Live Target rund um die Züri-Velo-Verleihstationen ein. So konnten alle User im Umkreis von bis zu 100 Metern einer Station in Echtzeit angesprochen werden.

Auch die Unia nutzte Mobile Targeting

Ähnlich ging auch die FDP des Kantons Zug 2018 vor. Um ihre beiden Regierungsrats-Kandidaten Andreas Hostettler und Florian Weber neu in die Exekutive zu bringen, nutzte sie Live Target für das erste Heimspiel des EV Zug in der Saison in und um die Bossard Arena.

Auch die Gewerkschaft Unia setzte schon auf Aymo Mobile Targeting. Bei der Selbstbestimmungs-Initiative wandte sie es in den grossen Bahnhöfen der Schweiz an wie Genf, Lausanne, Luzern, Basel, Bern und Zürich.

«Wir wollten damit eine möglichst grosse Reichweite erreichen», sagt Sprecherin Silja Kohler. Bis jetzt sei keine weitere Kampagne über Mobile Targeting geplant. «Wir können es uns aber für eine grössere Abstimmungskampagne wieder vorstellen.»

Nicht genutzt haben Aymo Mobile Targeting bisher SP, CVP, GLP und Grüne. Und, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, auch die SVP nicht. «Die SVP nutzt im Wahlkampf viele Kanäle, um die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren», sagt Sprecherin Andrea Sommer. «Die SVP gibt jedoch weder zu den Kanälen noch zur Finanzierung des Wahlkampfes Auskunft.»