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Aarau

Fusion im Zukunftsraum? Nein, danke!

Von Nadja Rohner

Buchs Eine Bevölkerungsumfrage zeigt, was die Einwohner wollen, womit sie zufrieden sind – und womit nicht

Fusion im Zukunftsraum? Nein, danke!

Buchs, von der Suhre durchzogen, ist zwar mit Aarau und Suhr zusammengewachsen. Doch die Einwohner schätzen die Selbstständigkeit. Michael Küng

Tritt Buchs wieder dem Zukunftsraum bei oder nicht? Das wird heute Abend im Einwohnerrat diskutiert – zumindest ist ein entsprechendes Postulat traktandiert und eine Motion angekündigt. Die Debatte wesentlich beeinflussen werden dabei die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, die der Gemeinderat im Februar und März durchführen liess.

Das Verdikt daraus ist relativ eindeutig: Für 68,5 Prozent der Befragten ist es «eher wichtig» oder sogar «sehr wichtig», dass die Eigenständigkeit der Gemeinde Buchs bewahrt wird. Fast 40 Prozent sind «sehr einverstanden» damit, dass sich Buchs bereits vor zwei Jahren aus dem Projekt «Zukunftsraum Aarau» verabschiedet hat, weitere rund 27 Prozent haben mit «eher einverstanden» geantwortet. Aber: Die Bevölkerungsgruppen sind sich uneinig. Jüngere und höher gebildete Personen stehen dem «Zukunftsraum» grundsätzlich positiver gegenüber, obschon auch hier gut die Hälfte eigenständig bleiben will.

Ammann ist «positiv überrascht»

Die Bevölkerungsbefragung hat der Gemeinderat aber nicht in erster Linie wegen dem «Zukunftsraum» durchführen lassen. «Wir wollten einerseits überprüfen, welche Bereiche wir seit der letzten Bevölkerungsbefragung 2014 verbessern konnten», erklärt Gemeindeammann Urs Affolter. Ausserdem sollten Handlungs- und Problemfelder ermittelt werden. Die Erkenntnisse fliessen schliesslich in die Legislaturziele für die Amtsperiode 2018-2021 ein, die der Gemeinderat an seiner Klausur Ende Monat erarbeiten wird.

Grundsätzlich sei er «positiv überrascht» vom Resultat der Umfrage, so Urs Affolter. Denn: 95 Prozent der Leute leben gerne oder sogar sehr gerne in Buchs. «Das ist ein sehr guter Wert - nur wenige Gemeinden erreichen mehr.» Die Befragten schätzen an Buchs vor allem die gute Lage, die Einkaufsmöglichkeiten und die guten Verkehrsanbindungen - und zwar sowohl fürs Auto als auch mit dem öV. «Allerdings», sagt der Ammann, «wurde dann bei den negativen Punkten auch erwähnt, es habe zu viel Verkehr.»

Auch fühlen sich mehr als drei Viertel aller Befragten vom Gemeinderat gut vertreten; der Einwohnerrat erhält einen ähnlichen Wert. Was den Gemeindeammann besonders freut: Die immer wieder aufflammende Kritik, die Gemeinde würde schlecht oder zumindest ungenügend kommunizieren, findet sich in den Umfrageergebnissen nicht wieder. Zwar ist der Anteil derjenigen, die nur «eher zufrieden» (62 Prozent) sind, grösser als der der «sehr Zufriedenen» (23 Prozent). Unzufrieden sind aber nur 13 Prozent.

Drei von vier fühlen sich sicher

Markant verbessert haben sich die Werte im Bereich öffentliche Sicherheit. Drei von vier Befragten fühlen sich in der Gemeinde sicher, wenn sie nachts zu Fuss unterwegs sind. «Das hat wohl auch damit zu tun, dass die Regionalpolizei mittlerweile mehrheitlich auf der Strasse unterwegs ist und weniger am Schalter», sagt Affolter. «Die Patrouillen am Abend und am Wochenende leisten einen wesentlichen Beitrag zum Sicherheitsgefühl. Ausserdem ist die Repol immer verfügbar - bei einem Anruf ist sie innert nützlicher Frist vor Ort.» Dennoch ortet die Umfrage in diesem Bereich noch Handlungsbedarf. Mit hineinfliessen in die Zukunftsszenarien werden auch Überlegungen zur Zukunft der Regionalpolizei Suret. Denn Rupperswil und Hunzenschwil werden aus dem gemeinsamen Verband mit Buchs, Suhr und Gränichen aussteigen, es verbleibt dann ein sehr kleines Konstrukt mit nur drei Gemeinden. «Erste Rückmeldungen von Seiten des Repol-Chefs Thomas Zbinden deuten zwar darauf hin, dass die Repol Suret auch ohne Rupperswil und Hunzenschwil weiterbestehen kann», so Urs Affolter. «Aber selbstverständlich werden wir nun – gemeinsam mit Suhr und Gränichen – alle Optionen prüfen. Und wir werden Wert auf eine gute, langfristig tragbare und finanziell sinnvolle Lösung legen.»

Viel bessere Umfragewerte als noch 2014 konnte Buchs auch im Bereich «Sauberkeit auf Strassen und öffentlichen Plätzen» erreichen. Affolter: «Es hat sich gelohnt, dass der Werkhof immer sehr rasch entfernt, was am Abend und am Wochenende achtlos liegengelassen wurde.» Auch das Ordnungs-Problem bei den Sammelstellen habe man in den Griff bekommen.

Gesunken ist die Zufriedenheit unter anderem bei der Höhe der Steuern - Buchs hat momentan einen Steuerfuss von 100 Prozent und wird ihn wohl weiter erhöhen müssen. Auch im Bereich «Qualität von Schulen und Kindergärten» ist die Zufriedenheit gesunken. Affolter führt das auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Bildung der Kreisschule Aarau-Buchs zurück. Wir erinnern uns: Das Projekt wurde vom Buchser Stimmbürger nur mit hauchdünner Mehrheit bewilligt, in Aarau fiel das Ja viel deutlicher aus.

Handlungsbedarf verortet die Umfrage auch beim Thema «Grünanlagen und Pärke» – es habe zu wenig davon. Der Gemeindeammann seufzt. Eine oft gehörte Kritik – und eine, die Urs Affolter nicht nachvollziehen kann. «Wir haben doch eigentlich viele Grünflächen in Buchs. Da sind zum Beispiel der gesamte Suhreraum, die schönen Freiräume Gysimatte, Triesch, das Steinfeld, die nahen Wälder. Aber offensichtlich wird das von der Bevölkerung zu wenig wahrgenommen – daran müssen wir arbeiten.»

Zurück zum «Zukunftsraum» – die befragten Buchser wollen zwar grösstenteils nicht fusionieren. Fast 9 von 10 sind aber dafür, dass der Gemeinderat die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden auch in den nächsten Jahren aktiv fördert und wo nötig ausbaut. «Das machen wir bereits in verschiedenen Bereichen – und ein weiterer Ausbau ist geplant», so Ammann Affolter.

Die repräsentative Bevölkerungsbefragung wurde vom renommierten Link-Institut zwischen dem 12. Februar und dem 15. März 2018 durchgeführt - telefonisch, wie schon 2014. Dadurch ist eine Vergleichbarkeit gegeben. Befragt wurden 503 Personen ab 18 Jahren, die seit mindestens einem Jahr in Buchs wohnen und gut genug Deutsch sprechen, um die Fragen beantworten zu können. Bezüglich Geschlecht, Alter, Quartier und Nationalität wurde abgewechselt (geschichtete Zufallsstichprobe).