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Firmen drängen in die Stadt

Von Philipp Felber und Samuel Hufschmid

Jährlich wächst die Zahl der Unternehmen in Basel – trotz Abwanderung ins Baselbiet und nach Zürich

Firmen drängen in die Stadt

Über die Überbauung auf dem Lysbüchel-Areal wird im November abgestimmt. Die Frage, die bewegt: Gibt es genügend Gewerbeflächen in der Stadt? Kenneth Nars

Hat es fürs Gewerbe genügend Platz in der Stadt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Bei der anstehenden Abstimmung zum Lysbüchel-Areal ist sie von zentraler Bedeutung. Denn die Gegner der Überbauung sagen ganz klar: Nein. Weil es zu wenig Platz habe, seien gar schon Firmen abgewandert. Um dieses Argument zu untermauern, werden im Abstimmungsflyer Zahlen genannt.

Von 2012 bis 2015 verliessen doppelt so viele bestehende Firmen die Stadt, wie hinzukamen, heisst es dort mit Verweis auf das statistische Amt Basel-Stadt. Das koste Arbeitsplätze. Die «Schweiz am Wochenende» hat die Zahlen analysiert. Was nicht erwähnt wird: Die Anzahl der Firmen in der Stadt ist seit 2011 gestiegen. Und: Auch die Anzahl der Arbeitskräfte wuchs.

Über 70000 Einzelmeldungen aus dem Handelsregister hat die «Schweiz am Wochenende» ausgewertet. Und kommt in einem Punkt zum selben Schluss wie die Lysbüchel-Gegner. Tatsächlich verlassen fast doppelt so viele Firmen die Stadt, wie hinzugekommen sind. Die Zahlen sind aber noch weitaus höher, als sie die Gegner präsentieren. Gezählt wurden nur die bestehenden Unternehmen, Neugründungen kommen in der Auswertung nicht vor. Das Ergebnis: Über 2300 Firmen sind seit dem Jahr 2009 aus dem Kanton weggezogen. Fast die Hälfte davon zügelte ins Baselbiet. Beliebt sind auch die Kantone Zürich, Aargau, Zug und Solothurn. Interessantes zeigt sich bei den beliebtesten Gemeinden: An der Spitze steht Zürich. Dorthin zogen 160 Firmen. Dahinter folgen Allschwil, Muttenz, Münchenstein, Reinach, Binningen und Pratteln.

Fast 1200 bestehende Firmen wechselten im Gegenzug ihren Hauptsitz nach Basel. Die meisten davon aus Zürich, gefolgt von Zug, Allschwil, Reinach, Binningen, Münchenstein, Muttenz und Liestal. Im Vergleich zu den wegziehenden Firmen gibt es also wenige Unterschiede. Beträchtlich ist aber der Abwanderungssaldo, der deutlich im Minus ist.

Ein Prozent Wachstum pro Jahr

Die Lysbüchel-Gegner verweisen in ihrer Argumentation auf eine Studie. Diese stammt aus dem Jahr 2013 und belegt, dass 35 Prozent der Firmen Probleme hatten bei der Suche nach geeigneten Standorten. Aus den vorliegenden Daten lässt sich dies nicht für jeden Einzelfall bestätigen. Es gibt aber Hinweise: Gut möglich, dass gerade Firmen, die in die Agglomeration ziehen, wegen fehlender Gewerbefläche die Stadt verlassen. In den dortigen Gewerbegebieten dürften viele Unternehmen Unterschlupf gefunden haben. Fast die Hälfte aller Firmen zogen aber in andere Kantone, etliche davon nach Zürich, verliessen also ihr angestammtes Umfeld komplett. Da liegt die Vermutung nahe, dass andere Gründe im Vordergrund standen. Als Beispiel: 72 Unternehmen zogen ins steuergünstige Zug. Da werden fehlende Gewerbeflächen kaum der ausschlaggebende Punkt gewesen sein.

Insgesamt stieg die Zahl der Beschäftigen in der Stadt Basel seit 2005 um jährlich fast 1 Prozent. Die Zahl der Firmen nahm seit 2011 jährlich ebenfalls um diesen Wert zu. Weniger Unternehmen und Arbeitsplätze gibt es also mitnichten in der Stadt.

Was sich aber tatsächlich verändert hat, ist der Firmenmix in der Stadt. Daten des Bundesamts für Statistik zeigen, dass zum Beispiel der Maschinen- und Fahrzeugbau einen schweren Stand hat. Beide Industriezweige kommen in der Stadt fast nicht mehr vor. Gleichzeitig nahm aber die Beschäftigung in der Industrie zu. Verantwortlich für diesen Anstieg ist die Pharmaindustrie. 2016 beschäftigen Pharma-Firmen rund 6000Mitarbeiter mehr als 2005. Ohne diesen Anstieg hätte der zweite Sektor heute weniger Beschäftigte als damals.