Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Limmattal

Ein neuer Stadtteil lebt sich ein

Von Sandro Zimmerli

Passend zur offiziellen Einweihung des Limmatfelds am Dietiker Stadtfest widmet sich das Neujahrsblatt dem Quartier

Ein neuer Stadtteil lebt sich ein

Der Limmattower ist das Wahrzeichen des jüngsten Dietiker Stadtquartiers. Chris Iseli

Sieben Minuten sind es von Larissa Merklis Wohnung im Limmatfeld zum Bahnhof Dietikon. Sie hat die Zeit extra gestoppt, um ja nicht zu früh aus dem Haus zu gehen. Merkli arbeitet in Zürich. Dort verbringt sie auch einen grossen Teil ihrer Freizeit. Dennoch wohnt die 27-Jährige gerne im jüngsten Quartier der Stadt Dietikon. Sie ist eine von 2111 Personen, die derzeit im Limmatfeld leben. Und Merkli ist eine, die den Autoren des Dietiker Neujahrsblatts 2019 Red und Antwort stand.

Am Stadtfest nächsten Samstag wird das jüngste Werk des Stadtvereins anlässlich einer Vernissage der Öffentlichkeit vorgestellt – und zwar auf dem Rapidplatz, dem Herzstück des Limmatfelds. Denn dem Quartier, das innerhalb der letzten 14 Jahre entstanden ist und am Stadtfest offiziell eingeweiht wird, ist das Neujahrsblatt gewidmet. Auf knapp 100 reich bebilderten Seiten haben sich verschiedene Autoren mit den unterschiedlichsten Aspekten des Limmatfeldes auseinandergesetzt.

Neben acht Porträts von Quartierbewohnern werden unter anderem auch die Architektur, die Natur oder die im Limmatfeld ansässigen Firmen unter die Lupe genommen. So entsteht ein Bild eines Quartiers, das zwar schon mit Leben erfüllt, dessen Entwicklung aber noch längst nicht abgeschlossen ist. Gerade der Quartierverein hat noch viele Ideen, wie das Limmatfeld noch lebendiger werden könnte.

Ein Quartier, das sich in verschiedener Hinsicht vom restlichen Dietikon unterscheidet. Etwa durch den 80 Meter hohen Limmattower, der Wahrzeichen des Limmatfelds ist. Nirgends in der Stadt steht ein vergleichbares Hochhaus. 98 Eigentumswohnungen beherbergt es. Dazu kommen Läden und Büros. Aber auch bezüglich der Bevölkerungsstruktur lassen sich einige Unterschiede gegenüber den anderen Quartieren ausmachen. Das Limmatfeld ist ein junges Quartier. Über 60 Prozent der Einwohner waren 2017 zwischen 20 und 39 Jahre alt. Betrachtet man die gesamte Bevölkerung Dietikons, macht diese Altersgruppe etwas mehr als 30 Prozent aus.

Bei jungen Personen beliebt

Das Limmatfeld ist also vor allem bei jüngeren Personen beliebt. Häufig handelt es sich dabei um Paare, die noch keine Kinder haben. Denn fast 45 Prozent aller Haushalte im Quartier sind Zwei-Personen-Haushalte. Für ganz Dietikon liegt dieser Wert bei rund 33 Prozent. Allerdings dürften sich all diese Zahlen noch ändern, denn ganz fertig ist das Limmatfeld noch nicht. Mitte nächsten Jahres werden die Genossenschaftswohnungen am EKZ-Kanal bezugsbereit sein.

Doch nicht nur mit Gegenwart und Zukunft des Quartiers setzt sich das Neujahrsblatt auseinander. Auch einem Blick in die Vergangenheit wird viel Platz eingeräumt. Denn das ehemalige Industrieareal hat einige Geschichten zu erzählen. Etwa jene vom «Chride-Röösi», wie die Kreidefabrik-Besitzerin Rosa Zgraggen von den Einheimischen genannt wurde. Obwohl fast niemand aus Dietikon sie persönlich kannte, hatte sie bei ihren Zeitgenossen offenbar Eindruck hinterlassen.

Die Tochter eines Landwirts begann 1932 im Alter von 26 Jahren mit einheimischen Frauen in einem kleinen Betrieb in Steg im Tösstal Kreide herzustellen. Als die Produktion anwuchs und Zgraggen mehr Platz brauchte, erwarb sie 1942 das ehemalige Mädchenheim der Mitte der 1930er-Jahren eingegangenen Weberei Syz in Dietikon. Also jenes Gebäude, das der Heimstrasse im Limmatfeld ihren Namen gab. Wo einst junge Frauen aus Oberitalien und dem Tessin untergebracht waren, die in der Weberei ihre Mitgift für eine spätere Hochzeit erarbeiten wollten, wurde fortan Kreide der Marke Signa produziert.

Zurückhaltend und distanziert

Zgraggen, die sich im zweiten Stock des Fabrikgebäudes eine Wohnung einrichten liess, war eine leidenschaftliche Reiterin. Praktisch täglich ritt sie mit ihrem Schimmel «Madame Pompadour» aus. Auch einen eindrücklichen Fuhrpark durfte die stets elegant gekleidete Dame – ein Hut war Pflicht – ihr Eigen nennen. Ob mit einem Jaguar oder einem Rover, die Blicke der Dorfbewohner waren Zgraggen sicher, wenn sie durch Dietikon fuhr. Trotz ihres modischen Auftretens, war Rosa Zgraggen eine zurückhaltende, distanzierte Person. Am Dorfleben beteiligte sie sich nicht.

Als Chefin war Rosa Zgraggen streng. Doch gerade deshalb dürfte sie so erfolgreich gewesen sein. Bis 1973 wurde der Betrieb als Einzelfirma im Handelsregister geführt. Dann wurde die Aktiengesellschaft Signa gegründet, an der Zgraggen aber nicht mehr beteiligt war. Das Areal und den Betrieb hatte sie verkauft. Zgraggen erlag 1982 einem Krebsleiden.Lange sollte die neue Firma nicht bestehen bleiben. 1977 wurde die Produktion eingestellt. Zwei Jahre später erwarb die benachbarte Rapid AG das gesamte Areal. Doch das ist eine andere Geschichte. Auch sie wird im Neujahrsblatt erzählt.

Die Vernissage des Neujahrsblattes 2019 findet am Samstag, 1. September, um
11 Uhr auf der Bühne des Rapidplatzes
statt. Sie wird musikalisch umrahmt von den Tambouren der Stadtjugendmusik Dietikon.