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Auf ein Wort: Auch in der Stadt kann man gitzle und chätzle

Wenn Haustiere Junge bekommen, heisst das im Hochdeutschen «werfen». Das Schweizerdeutsche kennt wärffe ebenfalls in dieser Bedeutung, aber daneben gibt es zahlreiche besondere Wörter, die je nach Tier verwendet werden. Bei Hündinnen, Katzen oder Kaninchen sagt man jüngle und ableg(g)e: Gester het d Chatz uf em Höistock oben abgleit. Noch spezieller sind die Ableitungen vom Namen des jeweiligen Jungtiers; zu Chätzli wird chätzlegebildet, zu Chüngeli (Kaninchen) chüngele, zu Fäärli (Ferkel) fäärle, zu Lamm lammere oder lämmle, zu Gitzi (Zicklein) gitzle, zu Chalb chalbere und zu Füli (Füllen) füle oder fülene. Im Freiamt kennt oder kannte man auch schööfle (von Schööfli).

Viele dieser Verben haben eine Zusammensetzung mit ver-; das bedeutet wie «verwerfen» zunächst ‹ein totes Jungtier gebären›. Im Schweizerdeutschen hat sich eine weitere Bedeutung herausgebildet, nämlich ‹vor Ungeduld oder Ärger zugrunde gehen›. Etwa zu Weih- nachten: Die Chliine vergitzle fascht, bis si chönen iri Gschänk uuspacke. In der Ostschweiz sagt man verlammere, verchalbere und verjüngle, wenn jemand aus der Haut fahren möchte: Er tuet grad, as ob er verchalbere wett.

Zu chätzle gibt es eine schon seit dem 16. Jahrhundert belegte Redensart: Si gseet uus, wi wenn si gchätzlet hätt, sie ist ganz bleich. Ein oft ausgesprochener Wunschtraum ist, dass sich das Geld wie durch Zeugung von selbst vermehre: Mis Gält sett jüngle! Immerhin sagt man von einem Erfolgreichen oder einem Glückspilz: Dem chalberet no der Holzschlegel uf der Obertili (dem Dachstock) beziehungsweise der Schiitstock, der Ofen i der Stube. Um die höchste Unwahrscheinlichkeit drastisch zu umschreiben, brauchte man die Zeitangabe wenn d Ägerste (Elstern) chalbere. Und ein Scherzspruch, den wir als Kinder selbst noch aufgesagt haben, heisst: Hans, stand uuf, leg d Stäägen aa, spring s Hömmli ab, zünd d Chue aa, d Latäärne wot chalbere!