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Auf ein Wort: Here they are:Die Superhäslis!

Als vor einem Monat die ersten Osterinserate erschienen, sind mir die werbenden «Häslis» sauer aufgestossen. Substantive auf -li haben nämlich in der Mehrzahl die gleiche Form wie in der Einzahl; die befremdliche Endung kommt offensichtlich aus dem Englischen, das fast allen Substantiven in der Mehrzahl ein s anhängt. Schweizerdeutsche Wörter mit einer Mehrzahlendung auf s kenne ich gar keine; die hochdeutschen beschränken sich auf Fremd- und Kurzwörter (Streiks, Autos, Fotos, Akkus).

Historisch bedingt gibt es im Deutschen viele verschiedene Deklinationsklassen, und bei einzelnen davon lautet der Nominativ Plural gleich wie der Nominativ Singular. Ich nenne ein paar hochdeutsche Beispiele: Löffel, Messer, Fenster, Teller, Rechen, Kuchen, Kragen, Mädchen. Gebietsweise haben sich die Dialekte eine besondere Mehrzahlform zugelegt: Im ganzen süddeutschen Raum haben die Hemden Krägen statt Kragen, im Schweizerdeutschen werden Chüeche gebacken, und im Gebiet zwischen Bielersee, Olten und Gotthard kommen vorwiegend Löffle statt Löffel auf den Esstisch. Umgekehrt gibt es im Schweizerdeutschen keine Chinder, weil hier die althochdeutsche Mehrzahlform «kind» erhalten blieb. In der Ostschweiz gibt es keine Chnächte, nur Chnächt.

Nachträglich hat sich bei manchen Wörtern eine Unterscheidung zwischen Einzahl und Mehrzahl etabliert: Für Berndeutsch und westliches Solothurn gilt e Brueder / zwee Brüeder, östlich davon heisst es meistens e Brüeder / zwee Brüedere. Im Aargau und weiter östlich ist die Mehrzahl Better statt Bett. Der Drang zur eigenen Mehrzahlform zeigt sich auch in neuschweizerdeutsch Stubene, Truckene, Tantene.

Beim Materialsammeln habe ich mit Staunen entdeckt, dass im Internet schon vor fünf Jahren «Häslis» (als Hüllen für «Handys») belegt sind, und noch etwas älter ist ein Bericht über die «Meitlis» am Meitlisonntag im Aargauer Seetal – in welcher Zeitung, will ich nicht verraten.