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Auf ein Wort: Vo Gäbigeoder vo Nämige?

An den Fahrzeugen der Gemeinde Gebenstorf liest man den eingängigen Slogan «gäbigs Dorf im Wasserschloss». Mit der Herkunft des Namens hat gäbig natürlich nichts zu tun; die alten Belege (meist «Gebistorf») deuten auf den althochdeutschen Personennamen Gebîn + Dorf. Das Adjektiv gääb oder gäbig bedeutet vor allem ‹brauchbar, angenehm›: es gäbigs Wärchzüüg, gäbigi Noochbere, gäbigs Wätter. Die alte Form gääb hat sich in der Wendung gäng (bzw. gang) und gääb (gebräuchlich) erhalten: [Im oberen Emmental gilt] no daas, wo zu Gotthälfs Ziiten isch gäng u gääb gsii. Früher ging es vor allem um gültige Münzen: «Müntz, so gäng und gäb ist ze Schwitz» (1360).

Gäbistoorf schliesst sich (als einzig echter) einer Reihe von Ortsnamen an, die der Volksmund erdacht hat, um Grosszügigkeit in eine Formel zu fassen: Gäbige, Gäbike, Gibike. Wer also beim Geben zurückhaltend bleibt, isch nid vo Gäbistoorf. Das wäre ein eher zufälliges Lob für die Gebenstorfer, aber ein nachweisbares Kompliment kann man ihnen machen, weil sie, ob nun reformiert oder katholisch, bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Kirche gemeinsam benützten.

Ortsnamen, echte und erfundene, kommen in Redensarten öfter vor. Man geht spätabends uf Bettehuuse (zu Bett), und wer schwer von Begriff ist, kommt nicht vo Merkige. Das Gegenteil von Gäbige ist Nämige, Näämistoorf, Nimike oder gar Stälige. Im Kanton Zürich sagte man, um einen Sparsamen zu charakterisieren, er isch vo Huuse. Das Wortspiel verknüpft schweizerdeutsch huuse (sparen) mit dem Ort Hausen (am Albis). Unweit von Hausen bei Brugg, in Birr, hatte Heinrich Pestalozzi seinen «Neuhof». Er war ein grosser Idealist und galt als sehr gäbig im Sinne von freigebig. Daher bekommt man heute auf die Bitte nach einer Gabe oft zu hören: I bi nid de Pestalozzi I bi nid de Pestalozzi oder De Pestalozzi isch gstoorbe. Geheiratet hat Pestalozzi übrigens im September 1769, und zwar – nomen est omen – in der Kirche von Gebenstorf.