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Auf ein Wort: (Ein) Artikelüber (den) Artikel

Journalisten sind wortkarg, jedenfalls bei den Überschriften. Um in den schmalen Zeitungsspalten Platz zu sparen, lassen sie die Artikel der Substantive einfach weg. Wenn ich dann etwa lese: «UBS droht in Deutschland Busse», dann bleibe ich stecken. Wer droht jetzt wem? Aha, nicht die UBS droht, sondern eine Busse droht der UBS; das Subjekt des Satzes kommt erst am Schluss. Das ist im Deutschen korrekt, aber ohne Artikel manchmal erst beim zweiten Lesen verständlich. (An die häufigen Droh-Titel habe ich mich zwar inzwischen gewöhnt.) Das klassische Latein brauchte keine Artikel, da der Satzbau aus den Endungen der Substantive ersichtlich war: Dominus canem vituperat, der Herr tadelt den Hund. Anders (und oft missverständlich) im Deutschen: «Reife Mangos erkennen Käufer an ihrem Duft» (Der Spiegel).

Die Abschwächung und das Zusammenfallen der einst ausgeprägten Flexionsendungen haben den Artikel unentbehrlich gemacht. In den Dialekten haben sich allerdings die Artikelformen ebenfalls abgeschwächt und angeglichen. So ist althochdeutsch thaz im Schweizerdeutschen nur noch als simpler Konsonant vertreten: südlich einer Linie zwischen Biel und Sargans sagt man ds Huus, im Norden
s Huus; das Berner Seeland gehört also zum Süden, der Oberaargau bereits zum Norden. Althochdeutsch ther hat sich etwas besser erhalten: nur im Nordosten sagt man überwiegend de Baum; ab dem Westrand der Kantone Aargau und Luzern sowie im Entlebuch ist die Form mit r noch nicht verschwunden.

Bei Personennamen braucht die deutsche Standardsprache keinen Artikel: Peter ist heute krank. Für die Umgangssprache gilt das aber nur nördlich einer Linie Köln-Dresden. Südlich davon, also auch in der Schweiz, sagt man de/der Peter. Für die grammatische Eindeutigkeit genügt das aber nicht in jedem Fall. Im Satz D Uursle het es Wäspi gstoche muss man zusätzlich zur Grammatik noch wissen, dass in der Regel eher die Wespe zusticht als die Ursula.