Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Auf ein Wort: Hässig – typisch schweizerdeutsch

Hässig, ist auch ein Familienname; in Aarau gehört er seit dem 15. Jahrhundert zu den Bürgergeschlechtern. Wie der erste dieses Geschlechtes zu seinem Namen kam, kann man nur vermuten. Auf jeden Fall ist unser Adjektiv hässig, von Hass, (feindliche Gesinnung) abgeleitet; in Deutschfreiburg gibt es auch die Form hassig. Der Zürcher Gelehrte Johannes Fries schreibt in seinem Wörterbuch von 1541: «hässig, eim gehass [einem verhasst].» So ist es noch im Aargauer Wörterbuch von 1877 bezeugt: «Er ist em hässig, er hasst ihn.» Das entspricht der heutigen Bedeutung im Badischen (verhasst), aber im neueren Schweizerdeutsch hat sich der Sinn in eine spezielle Richtung entwickelt: Wenn im Wirtshaus die letzten Gäste einfach nicht gehen wollen, so kann der Wirt hässig werden, nämlich verstimmt, mürrisch.

Mit Feindschaft hat das nicht viel zu tun, eher mit Missmut, Empörung, Aufregung, und solche Zustände sind spätestens am nächsten Tag vorüber. Allerdings gibt es auch Menschen, bei denen das Hässigsein zu den Charaktereigenschaften gehört. Unser hässig ist also synonym mit uliidig, taub, maassleidig, rabauzig, rumpelsurig. Auch Angriffslust kann gemeint sein: Vor eme Gwitter sind d Breeme hässig, was sich vor allem in der Bereitschaft zum Stechen bemerkbar macht. E hässige Bscheid ist eine unfreundliche Antwort. Im Wallis bedeutet hässig auch ‹schnell›. Da muss sich ein Mann aus Raron einer Operation unterziehen, und als alles einigermassen überstanden ist, denkt er sich: Esoo hässig stirbt mu also nit! Für das Berner Oberland verzeichnet das Idiotikon die verstärkende Fügung hässig schöön (sehr schön), und im Freiburgischen ist e hassege Schwinger einer, den die Konkurrenten wegen seiner Stärke fürchten.

Anmerkung: Das Adjektiv hässlig, hässlech, als weitere Ableitung von Hass, kommt im traditionellen Schweizerdeutsch nicht vor; dafür braucht man vor allem wüest und das (leider) selten gewordene leid.