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Auf ein Wort: Gleise waren einst bloss Wagenspuren

Unsere Vorstellungen von Gleisen sind vor allem geprägt durch die Eisenbahn oder durch Arbeiter, welche Bahn- und Tramschienen verlegen. Die ursprünglichen Gleise waren jedoch nicht eine Voraussetzung, sondern eine Folge des Verkehrs: Im feuchten Gelände hinterliessen die Wagen ihre Spuren, vor allem, wenn sie noch mit Eisenreifen versehen waren, wie ich das vor 60 Jahren noch selbst erlebt habe.

So entstanden im Feld und auf Feldwegen die Glöis oder Chaareglöis. Gleis (-äi-) ist die Aussprache im nördlichen Zürichdeutschen und im angrenzenden Nordostaargau; im übrigen Aargau und der ganzen Nordwestschweiz (mit Ausnahme der Stadt Basel und des Schwarzbubenlandes) sagt man traditionell Glöis. Das Wort ist abgeleitet von althochdeutsch leisa, das in der Zusammensetzung waganleisa (Wagenspur) überliefert ist.

Unser Wort ist mit lateinisch lîra (Furche) verwandt. Das Delirium als Krankheitsbezeichnung gehört zum Verb delirare, und dessen ursprüngliche Bedeutung ist ‹aus der Spur geraten›. Auch in schweizerdeutschen Redensarten geht es darum, dass man nicht zum Glöis uus chunnt, andernfalls man die Angelegenheit wider is Glöis bringe.

Die Version des Schaffhauser Wörterbuches, nämlich uf e falsch Gleis choo, dürfte schon stark von der Eisenbahn und ihren Weichen geprägt sein.

Manchmal gehen auch die Zielsetzungen der Volksweisheiten auseinander; die eine gibt sich konservativ: Im alte Glöis goots sicher, die andere bedauert, wie schwer es sei, us alte Löise z choo. «Gleis» bezeichnete früher auch die Wagenbreite. Es gab in der Nordostschweiz das «enge» und das «weite Gleis»; das enge mass 4 Fuss (ca. 125 cm), das weite etwa ⅛ mehr.

Jeremias Gotthelf schreibt von einem Unteroffizier, der «mit weitem Geleise» neben seiner Gruppe lief, da er betrunken war. Dass die Spurweite schon in ältester Zeit genormt war, sieht man heute noch an den Gleisen, die stellenweise aus den Felsen geschliffen wurden, etwa beim Römerweg am Bözberg im Aargau.