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Auf ein Wort: «Am Anfang war eine Blase»

In den letzten Wochen wurden in Österreich wieder unzählige Weihnachts- und Neujahrsbillets verschickt, ausserdem im Laufe des vergangenen Jahres viele Geburtstagsbillets. Ein österreichisches Bilet,Bilee (auf der zweiten Silbe betont) ist nämlich auch eine faltbare Glückwunschkarte, während in der Schweiz Bilee(t),Biljee (am Anfang betont) vor allem ‹Fahrschein› oder ‹Eintrittskarte› bedeutet. Das Wort kommt aus dem Französischen, ebenso wie das italienische biglietto. Weitere, wohl indirekte Entlehnungen geschahen zum Beispiel im Polnischen und Türkischen (bilet). Einzelne der verschiedenen Bedeutungen sind je nach Sprache verschwunden oder veraltet.

Das französische billet bedeutet ‹Schriftstück, Schein, Zettel›. Es kann dies ein privates Schreiben sein, etwa als billet doux (kurzer Liebesbrief); aber häufiger sind (oder waren) wohl die offiziellen Funktionen, zum Beispielbillet de banque,de logement,d’autobus (Banknote, Quartierschein, Busfahrschein). Interessant ist die Vorgeschichte des billets: Im Mittelalter lautete das Wort noch billette, altfranzösisch bullette; das ist ein Diminutiv von bulle, lateinisch bulla. Wer dabei an päpstliche oder kaiserliche Bullen (Urkunden, Erlasse) denkt, liegt völlig richtig. Eine bulla ist eigentlich eine Luftblase im Wasser, dann auch ein Buckel, Knopf oder eine Siegelkapsel. Bulla als mittelalterliche Bezeichnung des Siegels wurde auf das ganze Dokument übertragen; somit bezeichnet es auch ein gesiegeltes Schriftstück.

Die erwähnte bullette ist nicht nur die Grundlage des billets, sondern auch des bulletins. Sein weites Bedeutungsspektrum stimmt im Wesentlichen mit dem von billet überein. So gibt es bei der Schweizer Postfinance ein «bulletin de versement» (Einzahlungsschein). Um 1800 war das bulletin im Sinne von ‹amtlicher Bericht, Bekanntmachung› auch ausserhalb Frankreichs so verbreitet, dass es tel quel ins Deutsche übernommen wurde.