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Auf ein Wort: Im Räderwerkder Redensarten

Da und dort sieht man hölzerne Wagenräder an Hauswänden hängen, vielleicht als Glücksbringer, vielleicht einfach als Erinnerung an die Zeit der eisenbereiften Bauernwagen. Das Rad war jedenfalls so wichtig, dass es bis heute in vielen Redensarten vorkommt. S föift Raad am Waage ist der Inbegriff des Überflüssigen. Umgekehrt sagte man im Aargau: Wenn d Raad ab sind, hört s Faaren uuf. Ging nämlich unterwegs der Achsnagel, der Lung oder Lo(o)ne, verloren, dann hatte man bald auch das Rad verloren: Der Lung ist uus und s Raad ist ab. Dieser Spruch wurde immer wieder zitiert und teilweise abgeändert, etwa zu:
D Schuel ist uus (usw.).

In Deutschland lautet eine saloppe Redensart: Er hat ein Rad ab, er spinnt. Bei uns konnte sich der Ausdruck auch auf andere als geistige Mängel beziehen. Gotthelf schreibt: «Im Hunghafen gehe ein Rad ab» und meint damit, dass dem Hof ein finanzieller Nachteil drohe. Wenn bei uns jemand spinnt, sagt man eher Er het es Redli zvil (oder zwenig); aber diese Rädlein gehören zu einem Uhrwerk.

Blieb ein Wagen am Berg oder im Morast stecken, dann musste man a d Raad stoo, das heisst, helfend in die Speichen greifen. Grosse Räder mit Speichen brauchte einst auch der Scharfrichter für besonders grausame Hinrichtungen. Wi grederet fühlt man sich noch heute nach einer Nacht auf einer schlechten Unterlage.

Und die Redensart ab em Galgen ufs Raad choo meint das gleiche wie «vom Regen in die Traufe kommen» – nur makabrer. Radbrechen als Todesstrafe gibt es zum Glück nicht mehr; nur noch Fremdsprachen leiden unter dem Radebrechen, wenn man sie beim Sprechen verstümmelt.

In seiner Chronik berichtet Gerold Edlibach von einem offiziellen Besuch der Zürcher in Uri im Jahre 1487. Beim Empfang «machtend die von Zürich ein redly», sie stellten sich in einem Kreis auf. Solche Redli konnten aber auch Versammlungen von Verschwörern sein, angestiftet von einem Redlifüerer (Rädelsführer).