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Auf ein Wort: Wotsch e Watsch, du Totsch?

Im Vergnügungspark des Wiener Praters gehörte zu den Attraktionen eine lebensgrosse männliche Figur, der Watschenmann. Bei jeder Ohrfeige, die man diesem austeilte, ertönte ein schnarrendes Geräusch, und eine Skala zeigte die Stärke des Schlages an. Die Watsche, Ohrfeige, kennt man auch in der deutschen Schweiz; ich kann mich erinnern, dass mir die Mutter gelegentlich e Watsch androhte, aber es kam nie dazu (soweit ich mich erinnere). In der Schule aber haben einzelne Lehrer und Lehrerinnen noch hemmungslos geohrfeigt und geprügelt; umso mehr hielt man von den anderen, die ihre Autorität überzeugender bewiesen. Und noch früher, anlässlich von offiziellen Marchbegehungen, bekam angeblich der Bub des Bauern bei jedem Marchstein eine Ohrfeige, damit er sich dessen Standort besser merke.

Hier geht es aber mehr um die Sprache als um pädagogische und mnemotechnische Hilfsmittel: Ohrfeige, Oorfiig(e) sagt man im ganzen deutschen Sprachraum mit Ausnahme des bairisch-österreichischen Waatschn- Gebietes. In der Nordhälfte Deutschlands gibt es aber daneben noch die Backpfeife, in Sachsen, Thüringen und Ostfranken die (Maul-)Schelle. Auch die deutsche Schweiz hat ihre regionalen Besonderheiten, namentlich die Singele, den Chlapf, den Watsch, Wätsch oder die Watsche. Die Singele ist vor allem ostschweizerdeutsch; sie gehört offenbar zu singe in der Bedeutung ‹in den Ohren sausen›.

Wie Watsch(e) ist auch der Chlapf lautmalenden Ursprungs; Chlapf bedeutet zunächst einfach ‹Knall›. Das Wort dominiert im Westen, oft mit der Ergänzung e Chlapf zum Gring. Es gibt auch die Ableitungen Chläpfete, Prügelei und chläpfe, ohrfeigen. Eine Berner Redensart lautet: daaschtaa (driiluege) wi gchläpft (wi-n-e gchläpften Aff), das heisst ‹verblüfft, sprachlos›. Und in Beromünster kannte man noch um 1890 den Spottspruch gegen Bettlerinnen aus dem Berner Aargau: Bäärner Züüsi, zäpf di, oder i chumen und chläpf di!