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Ein-Blick bei den Tagesferien der SP

Wo Basler Kinder mit links gehütet werden

Wo Basler Kinder mit links gehütet werden

Es wurde viel gespielt, gebastelt und rumgetollt.Juri Junkov

«Wo sind die Puppikleider?» Leider muss Beda Baumgartner, Vize-Präsident der SP Basel-Stadt, das etwa vierjährige Mädchen enttäuschen. Einen Rock für die Puppen gibt es nicht. Schnell ist aber aus einem orangenem Stück Krepppapier ein schönes Kleidchen für die beste Kumpanin des Mädchens gemacht. Dieses grinst breit, rennt weg und zeigt ihre Errungenschaft all ihren neuen Freunden. Fast 30 sind das. Für so viele Kinder hat die SP Platz in ihrer provisorischen Betreuungsstätte im Bürgerlichen Waisenhaus. Die Mietkosten für die zwei Stockwerke bezahlt die Partei aus der eigenen Tasche. Ausser einem Plakat der Partei an der Türe erinnert der Ort an einen normalen Kinderhort. Keine Parolen, nichts Politisierendes – ausser vielleicht eine Linzertorte, auf der gross SP Basel steht. Die Aktion soll der Regierung zeigen, wie es richtig ginge. Diese hat im vergangenen Jahr beschlossen, die Tagesstrukturen während der Weihnachtsferien zu schliessen. Für die SP unfassbar: «Viele Eltern können es sich schlicht und einfach nicht leisten, so lange Ferien zu nehmen», sagt Marina Waibel. Es könne nicht sein, dass in einer Stadt wie Basel immer noch nicht genug auf diese Probleme geachtet würde. Deshalb reichte Kaspar Sutter, SP-Grossrat und Vater, die Motion «familiengerechte Ferienbetreuung in den Tagesstrukturen» ein. Baumgartner und die anderen sechs Helfer bekommen kein Geld für ihren viertägigen Einsatz. Dafür Dankbarkeit von den betroffenen Eltern. Die Kinder haben sichtlich Spass an ihren Tagesferien. Sie rennen herum, spielen mit Puppen oder zeigen den Aufpassern ihre selbst gebastelten Tannenbäume. Die meisten der freiwilligen Helfer, die vom Dienstag bis Freitag Babysitter gespielt haben, arbeiten selbst in einem pädagogischen Beruf. Einige sind Rentner oder haben sich extra freigenommen.

«Wir hatten Glück, dass das Waisenhaus uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. So haben wir die geeignete Infrastruktur und müssen nicht selber kochen.» Auch Sozialpädagogin Jessica Brandenburger ist erleichtert, dass die Leute der SP nur das Bastelzeug selber mitbringen mussten. Während des Interviews wuseln die vielen Kinder herum. Immer wieder kommt eines angerannt und fragt etwas. «Dörfi jetzt scho Znüni nä?», fragt ein kleiner Junge. Nur wenn einer der Helfer eine Geschichte vorliest, wird es still und die Kinder schauen gebannt mit kugelrunden, leuchtenden Augen zu der Märchentante auf. Alle Eltern, die ihre Kinder in der vergangenen Woche der SP anvertraut haben, seien berufstätig. Es ginge nicht darum, dass die Eltern das kostenlose Angebot ausnutzen würden. Und der Protest der SP hat etwas bewirkt: In den nächsten Jahren wird der Kanton Basel-Stadt das Angebot wieder ausbauen. An drei Schulstandorten werden die Tagesstrukturen während der Ferien zu einem Grossteil geöffnet sein. (olm)