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«Unsicher, ob ich schon in den Ständerat will»

Von Michael Nittnaus
«Unsicher, ob ich schon in den Ständerat will»

Frau Schneeberger, welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

Daniela Schneeberger: Oh, Nein: Macht. Kann ich ein anderes Los ziehen?

Leider Nein. An was denken Sie denn Schlimmes, wenn Sie das Wort hören?

Zu allererst denke ich an einen Diktator, eine Person, die nur an sich denkt und anderen sagen will, was sie zu machen haben. Er will sein Umfeld beherrschen.

Erkennen Sie sich denn in dieser Definition selbst wieder?

Nein! Mit dem Begriff Macht verbindet mich aber schon etwas: Ich übernehme gerne Verantwortung und die Führung, ich bin selbstbewusst und weiss, was ich will. Das wirkt sich sicher auch auf mein Handeln aus.

Über Ihre politischen Ämter üben Sie letztlich Macht aus.

Dieser Gedanke widerstrebt mir. Schon als ich 2004 Landratspräsidentin wurde, kamen Leute zu mir und sagten, ich hätte jetzt eine grosse Macht. So habe ich es aber nie gesehen, politische Macht in der Demokratie ist ein Auftrag, für die Menschen etwas Gutes zu machen. Aber ich verstehe, wenn es so rüberkommen kann, da ich eben gerne führe.

Ihre politische Laufbahn ist ein Weg zur Macht: 1999 in den Landrat, fünf Jahre später Landratspräsidentin, dann 2011 der Wechsel in den Nationalrat, dort der Weg in die wichtige Kommission für Wirtschaft und Abgaben WAK. Zudem sitzen Sie mittlerweile im Vorstand der FDP Schweiz. Streben Sie stets zu Höherem?

Vom Landrat in den Nationalrat zu gelangen, war ein klares Ziel für mich. Ich wollte weiterkommen. Das kam aber nicht von allein, sondern war mit sehr viel Arbeit verbunden. Ich musste mich durchsetzen und zeigen, dass ich es wirklich will. Aber es ist schon so: Ob in Politik, Sport oder Beruf, ich bin ehrgeizig. Wenn man etwas erreicht, ist es aber auch immer sehr spannend, interessant und lehrreich. Diese Herausforderung gefällt mir.

Die nächste Stufe wäre wohl der Einzug in den Ständerat. Hier haben Sie auch schon Ihr Interesse bekundet und es scheint ja durchaus möglich, dass die FDP Baselland 2019 den Bürgerlichen Kandidaten stellt.

Das kann ein Ziel sein. Ich mache mir auch Gedanken über diese nächste Stufe. Aber ob ich diesen Schritt schon 2019 anstrebe, das muss ich mir noch gut überlegen.

Was spricht dagegen?

Ich bin sehr gerne Nationalrätin und finde, das Amt passt auch gut zu mir. Zudem arbeite ich nun in der Kommission mit, in die ich immer wollte. Ausserdem sehe ich in der grossen Kammer noch einen Weg vor mir. Vorstellen könnte ich mir zu gegebener Zeit das Präsidium einer Kommission oder der FDP-Fraktion. Irgendwann ist die FDP auch wieder an der Reihe beim Nationalratspräsidium...

Das heisst, Sie sind nicht bloss zurückhaltend, weil die Verhandlungen der Baselbieter Bürgerlichen für die Wahlen 2019 noch laufen?

Nein, ich bin mir wirklich noch nicht sicher, ob ich schon in den Ständerat will.

Auch abseits der Politik sind Sie eine mächtige Frau. Sie haben zahlreiche Mandate in Vorständen, als Verwaltungsrätin...

Da muss ich etwas klarstellen: Im Verwaltungsrat sitze ich nur bei zwei kleinen lokalen Thürner Unternehmen, die jeweils von nur einer Person geführt werden, der Kistenfabrik und dem Restaurant Treff 44. Mein Einsitz ist letztlich zur Existenzsicherung gedacht. Das ist nicht zu vergleichen mit einem VR-Mandat bei Novartis oder so.

Da sind wir genau beim Kern: Macht kann die Distanz zur Bevölkerung vergrössern. Sie aber sind lokal sehr präsent, in Ihrem Wohnort Thürnen und im Oberbaselbiet. Wie wichtig ist Ihnen das?

Ich bin nicht nur im Oberbaselbiet präsent, sondern in der ganzen Region. Das ist mir wichtig. Es gibt mir Bodenhaftung, nahe bei den Menschen zu sein. Das haben andere Parlamentarier in Bundesbern verloren. Sie argumentieren zu stark theoretisch, sind zu verwaltungshörig.

Aber ist es nicht ein schwieriger Spagat, zwischen der Machtzentrale des Landes und dem Baselbiet zu pendeln und beidem gerecht zu werden?

Ich behaupte, dass mir dieser Spagat gelingt. Der Bezug zu den Leuten, zu den regionalen KMU ist für mich wirklich zentral. Das will und werde ich nicht aufgeben.

Steigt in Ihrer Nähe ein Fest oder eine GV, sind Sie oft dabei. Kritisch könnte man sagen, Daniela Schneeberger geht an jede «Hundsverlochete».

Ich weiss, dass mir die grossen Präsenzen und vielen Aktivitäten auch negativ ausgelegt werden könnten. Allerdings nur von Menschen, die mich nicht kennen. Denn ich gehe an Versammlungen, weil sie mir wichtig sind und nicht, um kurz Hände zu drücken und nach zehn Minuten wieder davonzulaufen.

Was war denn die letzte «Hundsverlochete», an der Sie waren?

Also «Hundsverlochete» ist hier das komplett falsche Wort, das wäre respektlos. Aber mein letzter Anlass war die GV der Offiziersgesellschaft beider Basel.

Auch an Turnfesten sieht man Sie öfter, oder? Schliesslich ist das doch eine Ihrer Leidenschaften.

Mit Turnfesten bin ich aufgewachsen. Aber aktiv mitturnen kann ich leider nicht mehr.

Dabei waren Sie Leistungssportlerin.

Ich machte Leichtathletik, vor allem Kraftdisziplinen wie Steinstossen oder Kugelstossen lagen mir. Übrigens: An der Schweizer Meisterschaft im Steinstossen, die 2012 in Thürnen stattfand, wurde ich Vize-Meisterin bei den Seniorinnen – und das ohne Training (lacht).

Sieger sind im Sport auch Machtmenschen, sie dominieren andere. Waren Sie ehrgeizig?

Sehr, gerade in der Leichtathletik zählten für mich nur Medaillen.

Hat der Sport Ihnen etwas für die Politik mit auf den Weg gegeben?

Ich lernte, mit Siegen und Niederlagen umzugehen, dass einem Erfolg nicht in den Kopf steigt, man auf dem Boden bleibt und umgekehrt bei Niederlagen wieder aufsteht und weiterkämpft. Sport ist eine gute Lebensschule. Man lernt sich selber kennen.

Reicht Ihr Ehrgeiz auch, um die ultimative Machtposition der Schweiz anzustreben, den Bundesrat? Vergangenen Sommer brachte Sie ein Nationalratskollege ja bereits öffentlich für die Nachfolge Didier Burkhalters ins Spiel.

Ich bin ehrgeizig, aber auch realistisch. Das wäre eine Riesenaufgabe. Obwohl ich mich sicher einarbeiten könnte, gehört das nicht zu meinen Zielen.