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Aarau

Viel zu früh oder höchste Zeit?

Von Nadja Rohner

Buchs Der mögliche Beitritt zum «Zukunftsraum Aarau» wurde kontrovers diskutiert

Viel zu früh oder höchste Zeit?

120 Personen, darunter viele Befürworter eines Wiederbeitritts zum «Zukunftsraum», waren zur Veranstaltung erschienen. ZVG

Damit hat die IG «Pro Zukunftsraum Aarau» nicht gerechnet: Es kamen so viele Personen zu ihrer Infoveranstaltung, dass zusätzliche Stühle geholt werden mussten. 120 Buchser wollten wissen, was die IG, die für ein Ja zu einem Wiederbeitritt von Buchs zum «Zukunftsraum Aarau» wirbt (Phase Fusionsanalyse, Abstimmung am 10. Februar), zu sagen hat. Respektive: die für ein Podiumsgespräch geladenen Gäste; Martha Brem (Präsidentin «Zukunft Suhr»), Markus Bircher (Gemeindeammann Oberentfelden, FDP) und Regina Jäggi (ehemals Gemeindeammann von Rohr und später Aarauer Stadträtin, SVP).

Kritisiert wurde mehrfach, dass erstens kein Gegner des «Zukunftsraums» auf dem Podium stand und zweitens niemand aus Buchs. Vertreter der IG begründeten dies damit, dass man Personen einladen wollte, die mit dem «Zukunftsraum» bereits Erfahrung hätten. Ausserdem sei man als IG nicht verpflichtet, ein ausgewogenes Podium zusammenzustellen. So war es denn an den «Zukunftsraum»-Gegnern im Publikum sowie an Moderator Fabian Hägler (Stv. Chefredaktor Aargauer Zeitung), die kritischen Fragen zu stellen.

Aus Rohr-Fehlern lernen

Die IG hatte für ein Inputreferat «Zukunftsraum»-Projektleiter Marco Salvini eingeladen. Dieser betonte: «Der Zukunftsraum ist nicht Furora.» Also nicht dasselbe wie die Fusion Aaraus mit Rohr. Es gehe hier nicht um eine Fusion einer Stadt mit einer Gemeinde, sondern um die Neugestaltung eines aufstrebenden Zentrums. Ausserdem sei «Furora» das erste derartige Projekt gewesen; mittlerweile habe man – auch dank der Kreisschul-Fusion – Erfahrung. «Und wenn man mehrere Male etwas Ähnliches macht, lernt man hoffentlich daraus», so Salvini. Er führte vier Punkte an, die die Buchser von einer Teilnahme an der Fusionsanalyse erwarten könnten. Etwa «einen partnerschaftlichen Austausch mit fünf anderen Gemeinden, die alle plus/minus die gleichen Probleme haben», die Möglichkeit zur Mitgestaltung, faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen für eine spätere Fusionsabstimmung und, selbst wenn keine Fusion erfolge, «eine Analyse, wo Ihre Gemeinde steht. Das hilft Buchs bei der Weiterentwicklung, auch ohne Fusion».

Martha Brem sagte, sie habe immer gehofft, «dass Buchs noch merkt: Hey, wir befinden uns mittendrin – was entgeht uns, wenn wir nicht mitmachen?» Markus Bircher befand: «Buchs gehört ganz klar dazu.» Es sei auch nicht so, dass nur Aarau etwas zu sagen habe: «Mit Buchs sind wir in den Aussengemeinden so viele Einwohner, dass die Stadt gar nicht dominieren kann.» Regina Jäggi, Mutter der Fusion Aarau-Rohr, empfahl den Buchsern, den Schritt zu wagen: «Sagt Ja dazu, das weiter abzuklären. Dann hat man Fakten für die definitive Entscheidung in der Hand. Alles andere wäre extrem emotional.» Jäggi betonte: «Die meisten Rohrer haben wirklich nicht das Gefühl, dass sie durch die Fusion etwas verloren haben. Es sind Kleinigkeiten, die immer wieder zur Sprache kommen, im Alltag merkt mans nicht.» Verloren haben sie zwar den Gemeindeverwaltungsstandort. «Aber da», sagte Jäggi, «sind wir selber schuld! Rohr hatte nach der Fusion noch einen Verwaltungsstandort, inklusive Tiefbau und Hochbau, aber er ist schlicht und einfach nicht genutzt worden.» Sie stellte auch entschieden in Abrede, dass die Rohrer im Aarauer Einwohnerrat – dessen aktueller Vizepräsident übrigens ein Rohrer ist – nichts zu sagen hätten. «Im Gegenteil: Die Rohrer Einwohnerräte haben denen aus dem alten Aarau sehr starke Impulse gegeben, als sie mit viel Enthusiasmus und Einsatz eingestiegen sind.»

«Stadion geht uns alle an»

Ob Suhr alleine denn nicht stark genug sei, wollte der Moderator von Martha Brem wissen. «Es geht um etwas anderes», entgegnete diese. «Die Gemeinden sind längst zusammengewachsen. Vieles kann man gemeinsam viel besser anpacken. Ein Fussballstadion oder eine Kunsteisbahn zum Beispiel geht uns alle an.» – «Die Probleme hören nicht an den Gemeindegrenzen auf», sagte auch Markus Bircher.

«Wir arbeiten bereits dort zusammen, wo wir es brauchen; sind gut vernetzt und machen überall mit», sagte Beat Spiess (Einwohnerrat FDP). «Eine Zauberrakete ginge da sicher nicht los, wenn wir zur Regionalstadt würden.»

CVP-Grossrat André Rotzetter sah genau diese Zusammenarbeit mit verschiedenen Nachbargemeinden als gefährdet an, sollten diese ohne Buchser Beteiligung miteinander fusionieren: «Dann sind wir die Bittsteller.» Er votierte für einen Wiederbeitritt: «Wir sagen damit noch nicht Ja zu einer Fusion. Aber wir wissen danach, weshalb wir sie ablehnen.»

Wie viel kostet es?

Aus dem Publikum kam die Frage nach dem künftigen Steuerfuss. In Buchs kommt eine Steuererhöhung von 100 auf 108 Prozent zur Abstimmung. Projektleiter Salvini sagte dazu, dass man noch nicht sagen könne, welchen Steuersatz die fusionierte Gemeinde hätte – Ziel sei aber, attraktiv und unter dem kantonalen Durchschnitt – derzeit etwa 104 Prozent – zu sein.

Die nächste Phase im Zukunftsraum würde Buchs, inklusive verwaltungsinternen Aufwands und minus Kantonsbeitrag, rund 100000 Franken kosten. Sollte Buchs sich anschliessend noch entscheiden, tatsächlich Fusionsverträge ausarbeiten zu lassen, kämen nochmals rund 20000 Franken dazu. «Das sind nur eine Pizza und drei Kafi pro Einwohner», gab Ortsbürger Andreas Delfosse zu bedenken. Der ehemalige Einwohnerratspräsident Urs Michel (CVP) nannte die Investition «Peanuts» angesichts des «Jahrhundertprojekts».

SVP-Einwohnerrat und Alt Grossrat Wolfgang Schibler betonte hingegen, es mache keinen Sinn, in das Projekt einzusteigen. In zwei repräsentativen Befragungen, sagte er, hätten sich die Buchser klar gegen eine Fusion ausgesprochen. Er halte es auch nicht für opportun, die Steuern zu erhöhen und gleichzeitig Geld für die Fusionsanalyse auszugeben.

Sowohl Martha Brem als auch Markus Bircher betonten, ihren Gemeinden gehe es finanziell auch nicht hervorragend (der Steuerfuss in Suhr beträgt 108 Prozent, in Oberentfelden 110), aber sie sähen die Ausgaben für die Fusionsanalyse als «Investition in die Zukunft» und keineswegs als verlorenes Geld. Bircher: «Bei uns macht es auch ein Steuerprozent aus. Aber wir bekommen dafür Antworten und Fakten. Wenn die Fusion mit Aarau nicht klappen sollte, haben wir bereits die Grundlagen geschaffen, um zum Beispiel eine Fusion mit Unterentfelden zu prüfen.»

Mitmachen oder zuwarten?

Hansruedi Gurtner, FDP-Ortsparteipräsident und Einwohnerrat, ist der Meinung, dass Buchs noch nicht parat sei für eine Fusion. «Ich kenne viele Leute, die konsequent sagen: Das könnt ihr vergessen.» In ein bis zwei Generationen könne man wieder darüber reden. Zu einem späteren Wiedereintritt sagt Projektleiter Marco Salvini: «Jetzt werden die Grundlagen geschaffen. Je länger man wartet, desto weniger Gestaltungsmöglichkeiten hat eine Gemeinde.»