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Kolumnen

Auf ein Wort

Von Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch.

C’était chic de parler français

Dass im deutschen Wortschatz, besonders dem der schweizerdeutschen Mundarten, viel Französisches steckt, ist allgemein bekannt. Oft hört man als Grund, wir seien halt vor 200 Jahren von den Franzosen besetzt gewesen. Immer wieder kommt da die herzige Geschichte, dass unser Fisimatänte auf Soldaten zurückgehe, die junge Mädchen ansprachen mit der Einladung: «Visite ma tente!» Nun, es brauchte keine militärische Besetzung, denn Französisch war seit dem 17. Jahrhundert Modesprache der Oberschicht – in ganz Europa. Als Grussformel etablierte sich unter diesen Umständen nicht bye bye, sondern eben adiöö, adee oder adie. Wir kennen wisawii, Wisite, Bagatell, Gusiine und nundedie (nom de dieu). Anderes ist nicht mehr so gängig, etwa Akkord (Vertrag), Affrunte (Beleidigung), Kunsiine (Weisung), Buntenööri (Ehrgefühl, point d’honneur), Scharebank (char à banc, Pferdewagen) oder Ambelaasche (Stoff als Packmaterial).

Zahlreich sind die Wörter, welche eine «Eindeutschung» erfahren haben oder eine sinnlose Umformung: die Kafitiere (Kaffeekanne) wird so zum Kafi-Tier, apropoo zu hoperoboo, la retraite (Zapfenstreich) zu Laderett und gomilfoo (comme il faut) zu gumivoll. Der Tutzwit (tout de suite) hat sich als verhüllende Umschreibung des Durchfalls eingebürgert, das Gelerettli (quelle heure est-il?) als scherzhafte Umschreibung der Taschenuhr, und das Pöteeterli (peut-être) für das Feuerzeug. Bei Rudolf von Tavel rufen die Berner Soldaten im Russlandfeldzug von 1812 statt Vive l’Empereur einfach Pfiiffe Lampenööl, und statt halte ou je tire rufen die Schildwachen halt, du Stier!