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Kolumnen

Auf ein Wort

Von Niklaus Bigler

Von Joppen und Juppen

Bei heissem Sommerwetter sieht man wieder mehr Frauen imJupe (Schüpp).Der Ursprung dieses Wortes liegt im arabischengubba (Dschubbe),das im Mittelalter zunächst in die romanischen und von dort in weitere Sprachen entlehnt wurde. Was für ein Kleidungsstück mit dem Wort bezeichnet wurde, hat sich je nach Ort, Zeit und Mode geändert; ursprünglich war es ein langes Obergewand für Männer, denn die mittelalterliche Kleidung reichte normalerweise in einem Stück von den Schultern bis zu den Füssen. Italienischgiubbaist heute eine Männerjacke, so wie die hochdeutscheJoppe.Auch die französischeJupekonzen­triert sich erst seit dem frühen 17. Jahrhundert auf das Bedecken von Frauenbeinen; in der deutschen Schweiz hat sie übrigens eine «Geschlechtsumwandlung» gemacht zum männlichenSchüpp(wie beimRock).

Das Schweizerdeutsche Wörterbuch verzeichnet mehrere Einträge, die letztlich auf unser arabisches Wort zurückgehen. DieSchuubewar ein langer, weiter, oft prunkvoller Mantel. DerSchoope, Tschoopedominiert in weiten Teilen der Deutschschweiz als Benennung der Männerjacke. Und bis vor etwa 150 Jahren gehörte zum täglichen Wortschatz dieJuppe, JüppeoderJippe, Gippe.Das war gebietsweise auch eine Männerjacke, vor allem aber der ärmellose Rock der traditionellen Frauentracht. Wer jungen Frauen nachstellte, wurde alsJuppeschlüüffer, -schmöckertituliert. Auch die Ratsherren interessierten sich für die Juppen. In einem Berner Mandat von 1628 steht: «Die Wybsbilder sollend die Gippen und Röck hinfüro dergstalten machen lassen, das sie die Waden vollkommen bedecken mögind.»