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Kolumnen

Auf ein Wort

Von Niklaus Bigler

Hier bring ich den Schmuus

DerSchmaus(fröhliches Gelage) ist im Hochdeutschen erst seit dem 17. Jahrhundert belegt, und seine Herkunft ist unklar. Er kommt auch schweizerdeutsch vor, gilt aber als «nicht recht volkstümlich». Das merkt man auch beim Verb, wo manchmal die Lautungschmuusenebenschmausezu hören ist. Undschmausebedeutet teilweise das Gleiche wieschnause,also ‹naschen›. Dazu kommt noch derSchmaus(jass)als weitere rätselhafte Bildung.

Da freut sich der Philologe, dass es noch ein anderesschmuusegibt, über dessen Herkunft keine Zweifel bestehen: Jiddischschmuessn(plaudern) wurde in Händlerkreisen verwendet, um die Verkaufsverhandlungen zu umschreiben, die von einem Mittelsmann in Gang gebracht werden. Der rühmt die Ware oder das Vieh des Verkäufers, damit Interessenten eher zugreifen. Wer so denSchmuusmacht, wirdSchmuusergenannt und erhält nach Kaufabschluss ganz diskret eine Maklerentschädigung (Schmuusgält). In den dialektal geprägten Geschichten des Oberbayern Ludwig Thoma kann man sehen, wie wichtig die Rolle des Schmusers auch bei Eheanbahnungen war; je reicher die Braut, um so höher fiel der «Schmuserlohn» aus.

Was zunächst im Viehhandel und bei Heiratsvermittlungen üblich war, hat sich verall­gemeinert:schmuuseoder deSchmuusbringe bedeutet nun rühmen, schmeicheln, jemandem den Hof machen. Dass man nicht nur mit Worten schmusen kann, beweisen die anhänglichenSchmuusichatze.Und alles geht auf die vom Hebräischen beeinflusste Sprache der Viehhändler, das Rotwelsch, zurück!